Eversten/Bloherfelde - Alles lief rund im Leben von Almut Janke. „Dann kam der Schlussstrich“, sagt sie. Ihr Mann starb, sie stürzte auf der Kellertreppe und war fortan auf Hilfe im Haushalt angewiesen. „Auf einmal kann man nichts mehr“, schimpft die 80-Jährige. Sie, die immer alles engagiert angepackt hat, findet das ärgerlich. Dabei gehe es ihr ja gut, lenkt sie sofort ein. Denn sie habe ihre drei Kinder gleich in der Nähe wohnen. Und bekomme viel Unterstützung von ihnen.

„Aber die haben doch auch ihr eigenes Leben. Sie sind berufstätig und haben viel um die Ohren.“ Für den Notfall ist Almut Janke mit einem Notrufarmband ausgerüstet. Falls sie noch einmal stürzen sollte, drückt sie einfach auf den Knopf und professionelle Hilfe naht. Da sie in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt ist, kann sie Pflegegeld von der Pflegekasse in Anspruch nehmen. Es ist also alles bestens geregelt, oder?

„Wenn man nicht mehr so kann wie früher, dann wird man so schnell wütend“ erzählt die Bloherfelderin. „Und, wenn man alleinstehend ist und immer weniger Besuch bekommt, dann wird man richtig depressiv.“ In dieses tiefe Loch ist Almut Janke nicht gefallen. Sie hat Evasenio entdeckt – zwei Jahre ist das nun schon her. Im Gemeindeblatt der Kirchengemeinde Eversten wurde von Veranstaltungen der Evangelischen Seniorenhilfe Eversten-Bloherfelde berichtet. Almut Janke machte mit bei einem Ausflug von „Evasenio up’n Swutsch“. Und war begeistert. So lernte sie die Seniorenhilfe kennen und erfuhr, dass die doch genau das zu bieten hat, was ihr mittlerweile so fehlte: Gesellschaft.

Ziel des Vereins Evasenio, der sein 25-jähriges Bestehen feiert, ist es, Beratung, Hilfe und Betreuung anzubieten, damit ältere Menschen solange wie möglich ein selbstbestimmtes und individuelles Leben in ihrer vertrauten Umgebung führen können. „Bei Frau Janke war ja mit der Pflege schon alles geklärt. Im Gespräch mit ihr haben wir dann abgefragt, was sie sich wünscht“, erzählt Gundi Pape, hauptamtliche Mitarbeiterin von Evasenio. „Jemand, der mit mir spazieren geht. Oder mal shoppen. Mit dem ich ein Spiel spielen und mich unterhalten kann“, zählt die 80-Jährige flugs auf.  Und sie strahlt, denn alle ihre Wünsche sind in Erfüllung gegangen. Drei ehrenamtliche Alltagsbegleiterinnen besuchen sie regelmäßig: „Jede kommt einmal in der Woche für je zwei Stunden“ sagt Gundi Pape. „Gegen eine Aufwandsentschädigung.“ Die Rechnung reiche Almut Janke bei der Pflegekasse ein und bekomme das Geld zurückerstattet.

Das Geld ist das eine, das Glück ist das andere. Und glücklich ist Almut Janke jetzt wieder. „Sie ist richtig aufgeblüht“, weiß Gundi Pape. Almut Janke nickt: „Ich brauche Menschen um mich. Und die kommen jetzt ja sogar ins Haus oder begleiten mich hinaus.“ Unter Menschen ist die 80-Jährige auch während ihres Berufslebens gewesen. 25 Jahren hat sie als Pflegekraft im damaligen Landeskrankenhaus Wehnen (heute Karl-Jaspers-Klinik) gearbeitet. „Das war mein schönste Zeit“, schwärmt sie noch heute. Nun muss sie selber Hilfe in Anspruch nehmen.

Aber das wird ihr leicht gemacht. Zum Beispiel durch Amy. Das ist die Colliehündin einer der Ehrenamtlichen. Amy kommt immer mit, wenn’s zur tierlieben Almut Janke geht. Die schickt dann Katze Ronja vor die Tür. „Sie mag keine Hunde.“ Und dann wird Amy erst einmal gestreichelt und gedrückt. Gleich wollen sie einen Spaziergang machen. „Und ich brauche jemand, der mir das mit dem Handy zeigt“, sagt die Bloherfelderin zur Alltagsbegleiterin von Evasenio. „Klar“, antwortet die, „mach’ ich.“

Ja, es läuft wieder rund bei Almut Janke.

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg