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NWZonline.de Senioren

Der Roboter als Pflegeassistent

15.05.2019

Ganderkesee Wenn die Pflegekraft aus vollem Hals „An der Nordseeküste“ schmettert, auf ein Streicheln über den Kopf zu kichern beginnt und bei alledem keine Miene verzieht, kann das Stirnrunzeln verursachen. Dabei könnte dieses Szenario Realität werden.

Die Gäste der Tagespflege-Einrichtung SenioriTa in Ganderkesee haben es am Dienstag erlebt. Carsten Wefer von der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) hatte Roboter Emma mitgebracht. Zusammen mit Prof. Dr. Jens Lüssem von der Fachhochschule Kiel führte er vor, was Emma kann – oder eben auch nicht.

Seit gut drei Jahren arbeitet Lüssem mit seinem Team daran, den Roboter auf seine Aufgaben in der Pflege vorzubereiten. Verschiedene Software-Anwendungen sollen künftig dabei helfen, Senioren zu unterhalten und zu aktivieren. Zum Einsatz kommen könnte er auch bei Demenzerkrankten.

Lüssem bezeichnet Emma als „Serviceroboter“– ein Pflegeroboter sei sie nicht, da sie assistierende Aufgaben übernehme, keine pflegerischen. Am Dienstag beispielsweise hat Emma Gäste der Tagespflege zum Singen und Spielen animiert. Auch mit Tai Chi und Sitzgymnastik kennt sich Emma aus. Der Roboter ist beharrlich und gibt stets Rückmeldungen an die Nutzer. Eines mag Emma überhaupt nicht: „Wenn sie sich langweilt, macht sie komische Bewegungen“, kommentierte Carsten Wefer Emmas rudernde Bewegungen, die wie ein Anfeuern wirkten.

Entwicklung am Anfang

Entwickelt wurden die Anwendungen zusammen mit Physiotherapeuten und Pflegepersonal. Auch die Bewohner einer Senioreneinrichtung konnten ihre Wünsche mit einbringen: Sie haben dafür gesorgt, dass Emma auf Berührungen mit einem kindlichen Kichern reagiert.

Der Roboter ist mit einem abstrakt menschlichen Gesicht ausgestattet. Hinter den großen Augen sind Sensoren und Laser versteckt, die den Abstand für ein 3D-Bild registrieren. In den Ohren verstecken sich Mikrofone und Lautsprecher. Um den Schutz sensibler Daten zu gewährleisten, kommt der vorgeführte Roboter ohne eine Internetverbindung aus. Mit Verbindung wäre der Roboter bei Weitem lernfähiger, wie Lüssem erklärte.

Mit 17 000 Euro hat der in Frankreich gefertigte Roboter einen stolzen Preis – ohne Software. Für weitere Systeme fallen zusätzliche Kosten an. Im Vergleich zu anderen humanoiden Pflegeassistenten ist Emma jedoch eine bewusst günstige Alternative: „Eine Million Euro will keiner in der Pflege ausgeben“, sagte Lüssem Zudem würde ein hoher Anschaffungspreis Berührungsängste bei den Pflegekräften erzeugen.

Ethische Bedenken

Auch wenn die Sprache noch steif und der Blick sehr beharrlich ist, lassen sich ohne Probleme menschliche Züge erkennen. Dabei stecke die Entwicklung noch in den Kinderschuhen, so Lüssem. Die technische Entwicklung der Systeme ist lange noch nicht am Ende. Allerdings stellen ethische Fragen eine Hürde dar. Im nächsten Monat findet eine Konferenz statt, auf der mit dem deutschen Ethikrat über die aktuellen Bedenken gesprochen wird.

Das sei auch ein Grund, warum das Gesicht des Roboters nicht zu menschlich gestaltet sei, wie Lüssem anmerkte. Damit wolle man den Patienten nicht den Eindruck vermitteln, sie würden mit einer tatsächlichen Person interagieren.

Potenzial fürs Ländliche

Das Potenzial, mit solchen Assistenzsystemen dem Pflegenotstand zu begegnen, sieht auch die LEB, die das Projekt „Digitale Selbsthilfe auf dem Land“ auf den Weg gebracht hat. Der Kieler Professor stellte in diesem Zusammenhang auch Videokommunikation in Aussicht. Damit können Ärzte über einen Bildschirm zugeschaltet werden.

Heike Arnecke, Leiterin der Tagespflege SenioriTa, sagte zu dieser Unterstützungsmöglichkeit: „Ich finde das gut, aber wichtig ist, dass kein Personal eingespart wird“. Diese Sorge will Lüssem ihr nehmen: „Wir sparen keine Personen ein, aber die Qualität der Pflege steigt.“

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