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Nachbarschaft Zukunfts-Senioren-Projekt entstand aus Protestbewegung

Peter Kratzmann

Unter dem Titel „Gesund älter werden in der Kommune – bewegt und mobil“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in der Kategorie „Kreisangehörige Kommunen“ gewann das „wi helpt di“-Projekt einen mit 10.000 Euro dotierten Preis. Eine Anerkennung und Wertschätzung, die auch die Gemeinde zu schätzen wusste. Immerhin stellt sie eine Mitarbeiterin in halber Kraft für diesen Bereich ab.

Doch was ist eigentlich „wi helpt di“? Entstanden ist der heutige Verein aus einer Protestbewegung. Als in 2012 über die Gemeinde der Bau eines Seniorenheims zusammen mit dem DRK propagiert wurde, machte sich im Ort Protest breit. „Viel zu groß für das Dorf Dötlingen und an den Bedürfnissen vorbeigeplant“, hieß es damals.

Die Bürgerinitiative hatte Erfolg

Gemeinschaftliche Workshops wurden einberufen, um der Frage nachzugehen, wie die Gemeinde zukunftssicher für die unterschiedlichen Generationen und deren Bedürfnisse gemacht werden könne. Unter der Überschrift „Wohnen und Leben im Alter in der Gemeinde Dötlingen“ und der Hilfe des Instituts für partizipatives Gestalten (IPG) aus Huntlosen, finanziell unterstützt durch die Gemeinde, entstand ein so genanntes Drei-Säulen-Konzept aus Nachbarschaftspflege, Wohnen gestalten und Pflege organisieren.

Zur Umsetzung der Konzeptansätze wurden im November 2014 der Verein „wi helpt di“ und die gleichnamige Genossenschaft gegründet.

So lange wie möglich in der gewohnten Umgebung leben

Heute kümmert sich der Verein um die Säule Nachbarschaft. Die Genossenschaft hatte die Aufgabe die Säule „Pflege organisieren“ umzusetzen, allerdings scheiterte das Projekt schließlich. Umso erfolgreicher arbeitet der Verein seit 2014. „wi helpt di“ steht heute in Dötlingen für ein Versprechen an Senioren und Seniorinnen, ihnen einen selbstbestimmten Lebensabend zu bieten. Die angebotene Hilfe ist umfassend. So vermittelt der Verein ehrenamtliche Kräfte, gegen kleine Aufwandsentschädigung bei Nachbarschaftshilfen in der Alltagsbegleitung wie zum Beispiel Begleitung zum Einkauf oder Hilfestellungen im Haushalt und Garten. Aber auch reine Besuchsdienste wie Begleitung beim Spaziergang, Lesen oder Spielen. Hinter allem steht, das Leben so lange wie möglich im eigenen Zuhause zu führen.

Viel Unterstützung

Das gleichberechtigte Vorstandsteam um Hella Einemann-Gräbert und Ute Meinert-Kaiser sowie Kassenwart Holger Spille und Schriftführerin Claudia Ventker sowie Beisitzern, darunter auch eine Vertretung der Gemeinde Dötlingen, hat viele Projekte angeschoben. Angeschafft wurde über Spenden ein Dreirad-Tandem mit Elektrounterstützung. Es kann ausgeliehen werden und auch ein Begleitangebot wird vermittelt. Mit dem E-Dreirad können körperlich behinderte Mitmensch am Ausflugsleben teilhaben. Sogar ein Rollator kann mitgenommen werden.

Vorgehalten wird auch ein Fitnessangebot für Senioren in Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen. Ferner wurde ein Mehrgenerationenspielplatz in einer 72-Stunden-Aktion der Landjugend in Neerstedt erstellt. Zuvor war an dieser Stelle ein verwaister Spielplatz zu sehen. Ein ehrenamtliches Team der Projektgruppe „wi helpt di“ erstellte zusätzlich eine Überdachung für die Sitzgruppe.

Außerdem setzte der Verein die „Nimm mich mit“ Bank um. Acht Dötlinger Bänke sind im gesamten Gemeindegebiet verteilt zu finden. Per Hinweistafel kann das Mitnehmen, den Autofahrern signalisiert werden. „Eliese Plietsch“, das Dötlinger Original, zeigt in Kurzfilmen wie es funktioniert. Aufrufen kann man die Videos über die Vereinsseite.

Nachhaltige Mobilität

Für die Arbeit des Vereins steht das Bürgerauto für nachhaltige Mobilität im Landkreis Oldenburg beim Rathaus in Neerstedt zur Fahrt bereit. Der Stromer wurde über das landkreisweite Projekt angeschafft.

Ferner wurden über ein Gütesiegel örtliche Betriebe und Einzelhandel ausgezeichnet. Service, Kommunikation und die Gestaltung des Innen- und Außenbereichs wurden dabei untersucht und bei Erfüllung der Anforderungen mit dem Gütesiegel ausgestattet.

Schließlich bietet „wi helpt di“ die Notfallmappe, Handbuch und Notfalldose für den Fall der Fälle an. Zweimal im Jahr findet ein Austausch aller Ehrenamtlichen in Stammtischen statt. Angeboten werden über das Jahr zahlreichen Veranstaltungen, die aber in Viruszeiten leider ausgesetzt werden mussten. Deshalb rief die Gemeinde einen Helferkreis ins Leben, um die Risikogruppe älterer Menschen, auch jenen die in Quarantäne sind, mit allen Notwendigen zu versorgen.

Wer mehr über das umfassenden Senioren-Projekt wissen möchte, kann sich umfassend auf der Internetseite des Vereins informieren. Im Rathaus ist Ina Schäfer Ansprechpartnerin.

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