Delmenhorst - Circa ein Prozent der Weltbevölkerung ist Internet-abhängig. Nicht weiter schlimm, könnte man meinen, gibt es doch weitaus gefährlichere Drogen. Doch was das genau bedeutet, wissen Henning Fietz, Bereichsleiter Prävention, Anonyme Drogenberatung, und Tim Berthold, Fachkraft für Medienabhängigkeit. Daran soll vor allem dieser Dienstag, der „Safe Internet Day“, erinnern.
Durch eine 2014 vorgenommene Schülerstudie in Delmenhorst konnten die Berater feststellen: Besonders Schüler zwischen 14 und 16 Jahren zeigen ein Internet-abhängiges Verhalten. Neun Prozent sind es insgesamt. Diese Zahlen seien nahezu identisch mit einer anderen Studie, die im Großraum Hamburg durchgeführt worden sei, ergänzt Henning Fietz. Die Folgen: Depressivität, geringes Vertrauen zu Mitmenschen und – was besonders bei Schülern problematisch ist – Internet-Exzessivnutzer prokrastieren häufiger. Mit anderen Worten: Sie schieben Tätigkeiten auf.
Während männliche Jugendliche viel Zeit mit dem „Zocken“ von Online-Spielen verbringen, halten sich Mädchen häufig in sozialen Netzwerken auf. Und hier liegt oftmals die Problematik. „Videospiele haben an sich schon einen negativen Ruf“, weiß Fietz. Probleme werden also häufig dort vermutet. Wenn sich aber ein Mädchen in sozialen Netzwerken aufhält, verkennen die Eltern oft, dass auch hier Gefahren lauern, die zur Abhängigkeit führen können.
Einer von zehn Betroffenen schafft es nicht selbst aus der Abhängigkeit heraus und muss in eine Therapie, weiß Henning Fietz.
Um es erst gar nicht so weit kommen lassen, läuft in Delmenhorst, sowie in drei weiteren Orten in Niedersachsen, seit Februar 2014 das Projekt „Log Out“. Dazu gehören unter anderem Präventionsmaßnahmen. Und um die soll es in der diesjährigen Medienkampagne gehen. Dabei sollen regelmäßig Aktionen in Schulen und Jugendhäusern durchgeführt werden.
„Es geht dabei viel um Reflexion“, erklärt Tim Berthold. Die Jugendlichen sollen über ihr Verhalten mit dem Internet und Nachrichtendiensten wie „What’s App“ nachdenken. Denn er weiß, dass viele Jugendliche ihr eigenes Verhalten als normal empfinden. Da sei es nichts Ungewöhnliches, am Tag 600 Nachrichten zu schreiben. Damit zusammenhängend entstehe der „Druck der ständigen Erreichbarkeit“.
Aber auch Eltern werden mit eingeschlossen: Für sie soll es Informationsabende und Workshops geben.
