• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Digitale Welt Social Media

Vom Schriftsteller, der einfach Tweets kopierte

14.02.2018

Oldenburg Ein bisschen Lebensweisheit-Poesie gefällig? Wie wäre es zum Beispiel mit diesem Sprüchlein:

„Wie ein Mensch sich selbst sieht, erkennt man am besten daran, dass er sich verbal angegriffen fühlt, obwohl er gar nicht gemeint war.“

Oder diesem hier: „Irgendwann interessiert dich nur noch das, was dir gut tut.“

Das letztgenannte Sprüchlein hat „Deno Licina“, der auf Facebook und Instagram als „Der Poet“ unterwegs ist, am 27. Januar auf Facebook veröffentlicht. Er hat dafür über 1400 Gefällt mir-Angaben bekommen, darunter auch Herzchen und – jene Leser waren offensichtlich besonders ergriffen von Licinas Weisheit – Traurig-Emojis. Er hat bereits zwei Bücher veröffentlicht, die er eifrig auf seinen Accounts bewirbt. Sie heißen „Der Poet (Das Nachschlagewerk)“ und „Der Poet – Das Nachschlagewerk (Band 2)“.

Vor allem Frauen zählen zu seiner Fan-Gemeinde, sie scheinen sich in seinen zahlreichen Postings treffsicher wiedergegeben zu fühlen. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man ihre Kommentare unter Licinas Zeilen einmal überfliegt. „Wunderschöne Worte, die Mut machen und Kraft geben“, heißt es dort zum Beispiel, oder „Ich liebe einfach deine Gedichte!!! Sie berühren mein Herz!“ Auf Facebook hat „Der Poet“ über 375.000 Abonnenten, auf Instagram 127.000.

Nur: Inwieweit all die Gedanken und Sprüche tatsächlich aus der Feder Deno Licinas stammen, ist fraglich. So sind etwa die beiden anfangs erwähnten Beiträge zuvor von anderen Twitter-Nutzern gepostet worden:

Und nicht nur Tweets sollen geklaut worden sein:

Besonders hämisch sind die Reaktionen, wenn Licina auch falsche Interpunktion übernimmt:

Jene angeprangerten, da offensichtlich bei anderen geklauten Gedanken hat „Der Poet“ auf Facebook bereits gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden hier auch entsprechende Kommentare unter den Beiträgen selbst. Nicht löschen kann er allerdings die Kommentare, die auf Amazon zu seinen Büchern verfasst worden sind.

Der Online-Versandhändler führt das erste Buch Licinas als Bestseller. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem entdeckt worden ist, dass sich „Der Poet“ mit fremden Federn schmückt, hatte dieses Buch glänzende Bewertungen. Vergangene Woche, am 5. und 6. Februar, dann der Einbruch: Statt fünf von fünf möglichen Bewertungssternen vergaben empörte Rezensenten nur noch einen Stern und machten ihrem Ärger in den Kommentaren Luft. Amazon hat die Rezensionsmöglichkeit für Licinas Bücher bereits eingeschränkt: Es kann nur noch von verifizierten Käufern bewertet werden, also Leuten, die das Buch über Amazon gekauft haben.

Wer steckt hinter „Der Poet“? Die Fotos auf Facebook und Instagram zeigen einen muskulösen Mann mit kurzen schwarzen Haaren und schwarzem Sieben-Tage-Bart.

Auf Facebook gibt es inzwischen das Profil „Die Twitter Poeten“: Hier haben sich einige der „widerwilligen Ghostwriter“ zusammengetan.

Auch die „Twoeten“ wissen nicht, wer sich hinter „Deno Licina“ verbirgt. „Wir würden uns wünschen, dass er aufhört, uns und andere zu beklauen und sich auf dem Rücken von Fremden bereichert. Dass er aufhört, seine Anhänger zu belügen. Und dass er sich äußert“, schreiben sie auf NWZ-Nachfrage. Sobald sie ihn direkt mit den Plagiatsvorwürfen konfrontieren, werden sie gesperrt, können ihn also nicht mehr kontaktieren oder auf seinem Profil kommentieren, – oder bekommen Nachrichten von ihm, in denen steht, dass Tweets nicht urheberrechtlich geschützt seien. Einige von ihnen, schreiben die „Twoeten“, werden allerdings sogar bedroht; sei es von Anhängern des „Poeten“ oder von Unbekannten, die sich hinter Fakeaccounts verstecken.

Einen umfangreichen „Twitter Abschlussbericht“ hat „Outlaw Pete“ (@DonOutlawPete) verfasst:

Auch andere Kritiker haben Beiträge über den „Poeten“ verfasst: Der copy / paste Poet von Paula Deme und: Der Poet – Kaptial aus dem Herzblut anderer Menschen

Eine Anfrage per E-Mail an Deno Licina von NWZonline blieb unbeantwortet.

Weitere Nachrichten:

Amazon | Facebook | Twitter | Nordwest-Zeitung | NWZonline