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NWZonline.de Nachrichten Kultur Sonntagswort

Blickrichtung ändern

20.07.2019

In der Ferienzeit ist der Radweg vor unserer Kirche in Warfleth stark frequentiert. Bei uns an der St.-Marien-Kirche führt die Sielroute vorbei, die dann bis hoch zur Küste reicht. Da unsere Kirche verlässlich geöffnet ist, halten viele Menschen an, gehen hinein, halten kurz Andacht oder setzen sich zum Verpusten, zum Essen, Trinken und Schnacken unter unsere dicke Kastanie mit der umlaufenden Bank.

Vor einiger Zeit war mir dort ein junger Mann aufgefallen, knapp über 30 – mit seinem 14-jährigen Neffen, der den Rucksack trug. Sie hatten sich die Kirche angesehen und aßen jetzt. Ich fragte, was sie noch planten.

Die beiden verrieten mir, dass sie den Weserradweg bis zur Küste machen wollen. Ich habe wohl etwas sparsam geguckt – denn der 30-Jährige saß im Rollstuhl – und bis zur Küste sind das fast 100 Kilometer!

Und dann erzählte der Rollstuhlfahrer: Er komme aus der Schweiz, ist für sein Leben gern in den Bergen gekraxelt und hat sich etwas zugetraut. Die steilsten Wände waren für ihn die besten.

Aber einmal hat er nicht aufgepasst, ist abgestürzt und erlitt einen schweren Wirbelsäulenschaden. Kann nun nicht mehr klettern, nicht mehr laufen. Nie mehr.

Aber dann grinste er und sagte, ich solle doch nicht so betroffen gucken. Denn seine Arme könne er gebrauchen, und sein Wille sei ungebrochen. Was er will, das tue er auch. Und er will den Radwanderweg kennenlernen – also eben nun auf diese Art. Mit Rollstuhl und seinen Armen. Natürlich ohne Motor. Sein Neffe – der trägt das Gepäck.

Er meinte: „Das klappt gut. Wir haben so viel gesehen, so viele Menschen getroffen, so wie Dich und diese Kirche. Aber jetzt müssen wir weiter.“

Ich war sehr nachdenklich, selten hat ein Mensch solchen Eindruck auf mich gemacht. Vielleicht muss ich auch die Blickrichtung ändern.

Ich habe zwei Arme und zwei Beine und bin so oft unzufrieden. Warum? Freu’ dich doch! Sei dankbar!

Die beiden haben mich auf besondere Weise beschenkt. Ich merke: Fast alles ist möglich, liegt bloß an mir.

Ingmar Hammannist Pfarrer in Stedingen.

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