• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Sonntagswort

„Da nich für“

08.10.2016

Bin spät dran, stand im Baustellenstau auf der A1 und lande kurz vor Beginn des Frauenkreistreffens, bei dem ich referieren soll, an der Kirche. „Verflixt“, schießt es mir durch den Kopf, „das Gemeindehaus liegt doch ganz woanders. Da habe ich mich vor ein paar Jahren schon einmal vertan.“

Ich stürze auf eine Frau zu, die ihr Auto aufschließt und frage nach dem Weg. „Das ist kompliziert“, sagt sie. „Wissen Sie was, ich fahre Ihnen voraus.“ Ich bin erleichtert und danke ihr aufrichtig. „Da nich für“, ist ihre Antwort. „Warum eigentlich nicht?“, denke ich.

Die vermutlich auf anerzogener Bescheidenheit beruhende Floskel „da nich für“ wehrt Dank ab. Dabei ist ernst gemeinter Dank eine wohltuende Form der Wertschätzung. Nicht nur Dank annehmen, fällt uns manchmal schwer, sondern auch Dank zu sagen oder überhaupt dankbar zu sein. Dank sagen heißt für mich, dass ich den oder die andere wahrnehme und ihr Tun nicht für selbstverständlich halte. Dankbar sein ist eine Lebenshaltung. Sie bedeutet Staunen können, Wunder wahrnehmen können, achtsam sein. Es ist ein Geschenk, dankbar sein zu können. In dem bekannten „Danke“-Lied heißt es „…ich will dir danken, dass ich danken kann.“ Das erinnert mich an die Worte der Dichterin Mascha Kaleko: „Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne und an das Wunder niemals ganz gewöhne. Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu! Ich freue mich, dass ich ... dass ich mich freu“.

Danken hat mit Denken zu tun. Beides ist sprachgeschichtlich miteinander verwandt. Wer dankt, denkt an das, was ihm geschenkt wurde. In der Bibel ist das Danken ganz im Loben aufgehoben. Wer Gott lobt, dankt ihm. So heißt es in Psalm 103,2: „Lobe Gott, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Die Haltung der Dankbarkeit bereichert unser Leben. Vielleicht achten Sie in den nächsten Tagen besonders darauf, das, worüber Sie sich freuen, auch auszusprechen und, wenn Ihnen jemand dankt, kurz innezuhalten, bevor es Ihnen wieder herausrutscht, das „da nich für“.

Dr. Andrea Schrimm-Heins ist Frauenbildungsreferentin und Leiterin der Frauenarbeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.