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NWZonline.de Nachrichten Kultur Sonntagswort

Gefährliche Erinnerung

22.02.2020

Erinnern Sie sich gern – oder verbieten Sie sich das? Gibt es Erinnerungen, die Sie wärmen? Oder gibt es Erfahrungen, mit denen Sie nur leben können, in dem Sie sie vergessen? Woran erinnern wir uns gemeinsam? An den Mauerfall 1989 oder die Pogromnacht am 9. November 1938 oder an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006?

Als Christinnen und Christen erinnern wir uns an Jesu Leben und Tod und an die Geschichten von Adam und Eva, Mose und den 10 Geboten, die wir mit jüdischen Gläubigen teilen. Gott selbst erinnert in der Bibel die Menschen auch – zum Beispiel an die Sklaverei in Ägypten, aus der er sie geführt hat. Zu Beginn der 10 Gebote weist Gott damit daraufhin: Freiheit braucht Regeln.

Die Erinnerung an Sklaverei soll Menschen vor Augen führen, dass Zusammenleben in Freiheit nur möglich ist, wenn wir uns nicht gegenseitig bestehlen, uns umbringen, uns nicht von Neid zerfressen lassen. Die Erinnerung an das Leben als Sklaven und Sklavinnen soll uns vor Augen führen, wie wichtig es ist, sich für das Leben in Freiheit einzusetzen.

Wenn Erinnerung nicht nur das Sinnvolle, das Gelingen, sondern auch das Schwere und das Leiden in der Vergangenheit beinhaltet, bringt sie Impulse für das Handeln jetzt.

Ein Beispiel für dieses Erinnern, das unser Handeln und Denken mitbestimmt, ist der Holocaust: Er sorgt dafür, dass wir aufmerksam sind, wenn Menschen heute wegen ihrer Religion, Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder körperlichen Verfassung ausgegrenzt und verfolgt werden. Wenn einfache Lösungen gefordert werden, wenn Menschen zu Sündenböcken gemacht werden, sagt uns die Erinnerung, welche Gefahr davon ausgeht.

Theologe Johann Baptist Metz führte dafür den Begriff „Gefährliche Erinnerung“ ein: Die Erinnerung an Gottes Befreiung aus Sklaverei und die Erinnerung an Jesu Leben und Leiden rufen uns als gläubige Menschen in die politische Verantwortung. Insofern ist diese Erinnerung „gefährlich“, weil sie nicht beruhigt, sondern uns herausfordert.

Anja Kramer ist Pastorin an der Martin-Luther-Kirche in Oldenburg.

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