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NWZonline.de Nachrichten Kultur Sonntagswort

Gegen das Dunkle

25.04.2015

Mögen Sie den Frühling?“ „Nein.“ Mit dieser Antwort überraschte jüngst ein Bekannter die Interviewer bei einer Umfrage in Oldenburg. Nein, er als Single mag den Frühling nicht, den alle so überschwänglich preisen, die Zeit des ewigen Neuanfangs und die Hoch-Zeit der Verliebten. Er wehrt sich gegen verordnete Freude.

„Jubilate“ heißt der morgige Sonntag im Kirchenjahr, der dritte nach Ostern, benannt nach dem Wochenpsalm (Psalm 66). Der beginnt mit „Halleluja! Jauchzet Gott alle Lande“. Jubilate! Jauchzet! Mit den Imperativen ist das so eine Sache. Freude lässt sich nicht einfach verordnen. Froh zu sein auf Kommando, das geht ebenso wenig, wie wenn jemand sagt: „Sei spontan!“. Die Aufforderung „Jubilate“ verstehe ich jedoch so, dass es nicht darum geht: Ist mir zum Jauchzen zumute? Sondern, so paradox es klingen mag: Selbst wenn wir nicht wissen, wie wir jubeln können, macht es doch Sinn, der Aufforderung nachzukommen. Wir bewegen uns zwischen Mutlosigkeit und Lebensfreude: himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Auch Martin Luther scheint das durchlebt zu haben. Von ihm wird erzählt, dass er sich oft in einem schwarzen Loch befand. Dann zog er sich in sein verdunkeltes Zimmer zurück. Als die Traurigkeit ihn mal wieder gepackt hatte, soll seine Frau, Katharina von Bora, ihr schwarzes Trauerkleid angelegt und die Kammer ihres Mannes betreten haben. Erschrocken fragte Luther: „Ist jemand gestorben?“ – Da antwortete sie: „Gott ist gestorben. Wenn du nicht mehr betest, sprichst und singst, ist Gott für dich tot und hat keine Macht.“

So erinnerte sie Luther an das, was er als Theologe immer verkündet hat: Das Gefühl der Gottverlassenheit schwindet, wenn wir beten. Unsere Traurigkeit löst sich auf beim Singen und Jubilieren. Im Beten, Singen und Danken stellt sich Freude ein. Wenn wir es wagen, auch gegen unser Gefühl der Niedergeschlagenheit zu singen und zu beten, dann können wir vielleicht Gottes Gegenwart erfahren, und Freude stellt sich ein. Probieren wir es doch einfach aus.

Andrea Schrimm-Heins ist Frauenbildungsreferentin und Leiterin der Frauenarbeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg.

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