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NWZonline.de Nachrichten Kultur Sonntagswort

Gott braucht uns

20.04.2013

Oldenburg Hauptbahnhof. Beim Aussteigen vor mir eine Frau, die die vor ihr stehende fragt, ob sie ihr helfen könne. „Nein, danke.“ Da sehe ich erst deren langen, dünnen Stock. Sie ist blind. Ein Mann der Bahnhofsmission eilt herbei. Er ergreift ihren Ellenbogen und führt sie. Die zwei gehen sicheren Schrittes vor mir her. Das Bild berührt mich.

„Gott braucht uns.“ Davon war Dorothee Sölle überzeugt. In einer Woche jährt sich ihr Todestag zum zehnten Mal. Sie war eine der wichtigsten theologischen Lehrerinnen der Gegenwart. In Vorträgen und Büchern trat sie leidenschaftlich dafür ein, die Liebe zu Gott nicht von der Liebe zur Welt zu trennen und Gott unter den Leidenden zu suchen. Zeit ihres Lebens bemühte sie sich um eine Sprache, die der Sehnsucht nach Gott Raum gibt, die Menschen zur Hoffnung und zum Handeln ermutigt. Sie hat nie darauf gebaut, dass ein allmächtiger Gott alles richten werde, sondern stets an einen Gott geglaubt, der die Menschen braucht. Gott lieben, ihm Loblieder singen, beten – und den Menschen lieben, Unrecht beim Namen nennen, sich für Gerechtigkeit einsetzen, gehören für sie zusammen. „Gott braucht uns für sein Reich... nichts hat mich so sehr in das Christentum gelockt wie dieses Wissen, Gott braucht mich. Christus wartet darauf, dass wir ihn erkennen in der geringsten Schwester und im letzten Bruder.“ Im Matthäusevangelium heißt es: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Mt 25,40) In jedem Menschen ist sozusagen „Gott versteckt“. Gott lieben, das bedeutet uns und unsere Nächsten ansehen mit den Augen Gottes. Die Liebe zu Gott geschieht dort, wo Menschen füreinander sorgen.

Wer von Gott geliebt wird, wer Gott liebt, trägt Verantwortung. „Gott braucht uns.“ Theresa von Avila, die Mystikerin und Theologin des Mittelalters, hat das so ausgedrückt: „Gott hat keine anderen Hände als unsere Hände.“ Er braucht unsere Hände. Er braucht uns, um die Welt besser und gerechter zu machen. Gott braucht uns für sein Reich.

Dr. Andrea Schrimm-Heinsist Frauenbildungsreferentin und Leiterin der Frauenarbeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg.

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