Mit den Händen auf dem Rücken steht er vor uns und erzählt aus seinem Leben: „Vor vielen Jahren bin ich mit meiner Familie nach Oldenburg gekommen. Wir haben eine schöne Wohnung und sogar eine gute Arbeit gefunden.“
Aber es fehlte ihnen etwas – eine Gemeinde, in der sie ihren Glauben leben und gestalten konnten. Die Wahl sei damals auf St. Marien gefallen, und er habe es nicht bereut.
„Denn“, so erzählt er mit einem Strahlen im Gesicht, „die Menschen hier haben meine Familie und mich ,auf den Arm genommen’.“
Ein Schmunzeln macht sich auf den Gesichtern der Zuhörer breit, hier und da ist ein Lacher zu hören. Natürlich ist es ein Versprecher, beim Ringen um die richtigen Worte in der noch immer fremden Sprache. Aber alle wissen, was gemeint ist: Da fühlt sich jemand aufgenommen und ins Herz geschlossen, wie bei einer liebevollen Umarmung.
Mich erinnert dies an die Geschichte von Simeon und Hanna, die wir an jedem 2. Februar in unseren Kirchen erzählen: Diese beiden Alten waren Propheten, Hör- und Sprachrohre Gottes. Sie waren sich sicher, dass ihr Leben seinen Höhepunkt darin finden würde, dass sie Gott leibhaftig begegnen. In dieser Gewissheit suchten sie täglich den Tempel auf. Als Maria und Josef schließlich mit Jesus dorthin kamen, um Gott für die Geburt zu danken, da erkannten beide in ihm sofort das verheißene Kind. Beide hielten den Sohn Gottes auf dem Arm und sprachen Lob- und Dankesworte, denn ihr Lebenssinn war erfüllt. Sie waren zufrieden mit sich und der Welt und konnten alles und alle Anderen liebevoll bewundern.
Genau so möchten Menschen auf den Arm genommen werden – am liebsten natürlich von Gott selbst.
Lassen auch Sie sich ruhig mal wieder auf den Arm nehmen – aber richtig. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Sonntag und eine gesegnete Woche.
