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NWZonline.de Nachrichten Kultur Sonntagswort

Kinder als Opfer

19.09.2015

Dies konnte nur eine Männergeschichte sein, eine Theologengeschichte von Männern. Von Frauen käme so etwas nicht. Und zwar: Einem bejahrten kinderlosen Ehepaar verspricht Gott den ersehnten Sohn. Der kommt auch und wächst heran. Durch weitere Nachkommen soll ein großes Volk entstehen. Aber da wird Gott anderen Sinnes.

Abraham, der Vater, soll seinen Sohn Isaak Gott zurückgeben, opfern, schlachten. Und Abraham? Macht kein Aufhebens und gehorcht. Nimmt den Knaben und bereitet das Holzfeuer vor, während das Kind ahnungslos fragt, was wohl als Opfer ausersehen ist. Zielstrebig fährt Abraham fort, bis er das Messer hebt. Da wird in letzter Sekunde die Schlachtung verhindert. Es findet sich opferungsbereit ein Hammel im Gebüsch. Gott sieht, dieser glaubenstreue Mann wird gehorsam auch das Letzte tun und ihm den Sohn zurückgeben.

Generationen von Theologen haben sich krumm gemacht, um im Sinne dieser Geschichte zu predigen und zu demonstrieren: Das ist allerhöchster Glaube. Mehr geht nicht, und dieser Mann hat’s tun wollen. Wovon nicht die Rede ist: Was hat die Mutter dazu gesagt? Hat sie überhaupt mitbestimmen dürfen? Das ist nicht anzunehmen. Später heißt es, Sarah habe sechsmal geschrien, bevor sie endgültig der Schlag traf. Eine bessere Geschichte wäre nicht nur möglich, sondern geboten. Abraham hätte entgegnen müssen: „Du, Gott, lässt Kinder opfern wie die anderen Götter? Verlange von mir, was du willst, aber mein Kind gebe ich nicht her.“

Die Opferproblematik ist ja noch gravierender: Immer waren es die Alten, die alten Männer, die die Jungen geopfert haben, der Erstgeborene einer Familie wurde für den Gott Marduk ins Feuer geworfen. Das war Usus.

Und immer wurden die Jungen in die Kriege geschickt und geopfert, im Sinne der Feindbilder der Alten. Schade, auch wenn es manchen Bibelauslegern nicht gefällt, vielleicht hätte diese Geschichte ja eine Weichenstellung zum Besseren sein können. Schon vor über 2000 Jahren. Nicht zu glauben, dass sich Gott in dieser Geschichte wiedererkennt.

Karl-Peter Nitzist ev. Pfarrer i.R. und Betreuer des Wortes zum Sonntag.

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