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NWZonline.de Nachrichten Kultur Sonntagswort

Lob der Großmutter

16.02.2019

Noch immer lagern in unserer Garage leckere Äpfel von der letzten üppigen Ernte meines Vaters. Also gibt es bei uns öfter Apfelkuchen. Neulich erinnerte ich mich wieder an ein ganz schlichtes, längst in Vergessenheit geratenes Rezept meiner Großmutter. Der heiße Hefeteigkuchen duftete herrlich und schmeckte wunderbar. Und ganz schnell tauchten die Erinnerungen an meine schwäbische Oma wieder auf, ihre Herzensgüte, ihre Frömmigkeit, ihre Liebe zu Balladen, von denen sie unendlich viele auswendig kannte und denen ich als Kind andächtig gelauscht habe. Von ihr habe ich auch die Freude an biblischen Geschichten und Literatur überhaupt geerbt. Als ich davon erzählte, geriet unsere polnische Gastschülerin ins Schwärmen. Ja, ihre Großmutter habe ihr auch so vieles beigebracht, verwöhne sie stets mit Piroggi und anderen Köstlichkeiten. Zu ihr ziehe es sie sofort, wenn sie nach Hause fährt. In dem Buch, über das ich mich mit Freundinnen austauschte, spielt die Großmutter auch eine zentrale Rolle. Maryam Madjidi, die als Kind mit ihren Eltern aus dem Iran nach Frankreich geflohen ist, liebt ihre im Iran zurückgebliebene Großmutter abgöttisch. Die imaginäre Stimme der Großmutter begleitet sie in der Fremde. Wenn sie nicht mehr weiterweiß, taucht vor ihrem inneren Auge die Großmutter auf, die ihr Rat gibt und Mut macht. Auch Madjidis Erinnerungen sind mit der Küche verknüpft.

Doch auch wenn die Erinnerungen an unsere Großmütter stark mit Speisen und Gerüchen verbunden sind, ist es doch viel mehr, was sie uns weitergegeben haben, eine Lebenshaltung, bedingungslose Liebe und manchmal auch ihren Glauben. Das wusste schon der Verfasser des zweiten Timotheusbriefs in der Bibel, wenn er schreibt: „Denn ich erinnere mich an den ungefärbten Glauben in dir, der zuvor schon gewohnt hat in deiner Großmutter Lois und in deiner Mutter Eunike; ich bin aber gewiss, auch in dir.“ (2. Timotheus 1,5) Übrigens durften wir mittlerweile auch einen schmackhaften Apfelkuchen nach polnischem Großmutterrezept genießen…

Dr. Andrea Schrimm-Heins ist Frauenbildungsreferentin und Leiterin der Frauenarbeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg.

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