An diesem Wochenende feiern viele Menschen das Namensfest des Heiligen Bonifatius, der einer Kirche in Donnerschwee seinen Namen gibt.
Wenn ich die zum Beispiel mit Kindern besuche, frage ich gern: Finden wir hier in der Kirche wohl ein Bild vom Bonifatius?
Es dauert dann oft eine ganze Weile, bis wir in der hintersten Ecke sein Glas-Beton-Bild entdecken.
„Warum versteckt der sich denn hier, da sieht man den doch gar nicht?“ fragen nicht nur Kinder.
Das ist der Moment, wo ich alle bitte, sich einmal umzudrehen und zu erzählen, was sie denn sozusagen aus dem Blickwinkel des Bonifatius sehen.
Erst wird so einiges genannt, was direkt vor uns steht. Aber schnell geht der Blick über das Naheliegende hinaus bis hin zur Maria, die genau an der anderen entferntesten Ecke der Kirche steht.
Mit großer Bewunderung stellt so mancher fest: „Der kann ganz schön weit gucken, der Bonifatius.“ Ja – das ist ein Satz, der auch auf das Leben des Heiligen zutrifft.
Um 673 n. Chr. im südwestlichen England geboren, wächst er in Klöstern in Exeter und Nursling auf. Doch die Zeit hinter Klostermauern verstellt ihm nicht den Blick auf die Wirklichkeit, sondern schenkt ihm eine Weitsicht, die ihn aufbrechen lässt hinüber zum Festland.
Sein Ziel: den Menschen dort das zu bringen, was er selbst das Licht des Glaubens nennt.
Und nicht nur das: Er schaut, was die Menschen wirklich brauchen, ermöglicht Koalitionen, wo dies gut ist, und grenzt sich von der Macht ab, wo sie ihn vereinnahmen will.
Und noch etwas kann er: zurückstecken, wenn ein Plan nicht aufgehen will.
Für mich ist Bonifatius ein wunderbares Beispiel für gelungenes Menschsein und einen Umgang miteinander, den ich uns allen nahelegen möchte, egal was oder wie wir gerade denken, sprechen und handeln.
In diesem Sinne wünsche ich uns einen weitsichtigen Start in die neue Woche.
Heinz-Peter Hahn ist Pastoralreferent in der Katholischen Pfarrei St. Marien in Oldenburg. Er ist verheiratet und hat fünf erwachsene Kinder.
