Am Anfang war das Wort (Die Bibel, Johannes 1,1) – das ist der Fanfarenton des Schöpfungsdramas und ein Kernsatz der „Metaphysik“. Während den Physiker interessiert, wie die Welt funktioniert, will der Metaphysiker wissen: Was steht hinter der Welt?
Antworten darauf gibt das metaphysische Denken. Metaphysik findet sich in den Religionen und Philosophien, in Dichtung, Musik, Malerei und an anderen Stellen.
Am Anfang, vor der Welt, war nichts, was hätte werden können. Es lag kein Baustoff herum, kein Gastank für einen Urknall war gefüllt. Stephen Hawking aber hält zur Erklärung des Universums „Gott für unnötig“. Mit dem „Gesetz der Schwerkraft könne es sich aus dem Nichts erschaffen“. Das mag naturwissenschaftlich auch so sein! Jüdisch-christliche Metaphysik aber spitzt die Ohren und „hört“, dass am Anfang „das Wort“ ergangen ist. Natürlich nicht „Menschenwort“, das wäre „Geschwätz geworden oder Propaganda“ (Gottfried Benn). Daraus hätte vielleicht eine Sandkiste entstehen können. Nein, sein Wort, der sich Urheber zu werden und die Kategorie des Glaubens als Ort seiner Existenz zu wählen entschloss, steht am Beginn! Unfassbar seine Größe und unendlich die Weite des Raumes!
Was trieb ihn an, den die Griechen „Logos“ = „Wort“ nannten und der uns in der Bibel als der „Höchste“ begegnet? Gott wollte nicht untätig bleiben, es sollten Wort und Tat aufeinander folgen. Und er plante, ein „Du“ zu schaffen, des Wortes ähnlich fähig, um miteinander zu reden. Wie heißt es noch? „Zusammen ist man weniger allein“ (Filmtitel).
Ob Gott ahnte, dass mit dem Auftritt des Menschen ein bis heute anhaltendes Drama beginnen würde? Inzwischen nervt einer den anderen mit den Monologen seiner Einsamkeit.
Aber auch wenn Elfriede Jellinek sagt: „Ich glaube nicht an Gott. Und wie jede gute Atheistin schreibe ich dauernd über ihn“, kann man sich nicht helfen: Ohne „sein Wort“ wäre die Welt als anonymes Paket unterwegs, ohne Absender. Sie wäre Ergebnis eines gigantischen Würfelspiels. Aber das hat nicht einmal Einstein gesagt.
