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NWZonline.de Nachrichten Kultur Sonntagswort

Ungetauft sein?

27.08.2016

Der Schriftsteller Durs Grünbein hat Skizzen aus Kindheit und Jugend veröffentlicht und vor Monaten auch in Oldenburg vorgestellt. 1962 in Dresden geboren, ist er in der Gartenstadt Hellerau am Stadtrand aufgewachsen, einer Siedlung im Sinne der Lebensreformbewegung um 1900. Doch das ist Geschichte. Der preisgekrönte Lyriker und Essayist erzählt vom „Leben im Zoo“, also vom Eingesperrtsein als DDR-Bürger und von der Sehnsucht nach Freiheit. Lebensläufe sind geprägt von politischen, sozial-ökonomischen Umständen, sie setzen der Selbstbestimmung möglicherweise harte Grenzen.

„Ungetauft“ heißt ein kleiner Abschnitt, der mich nachdenklich gemacht hat. Wie aus heiterem Himmel traf den bald Volljährigen die Anfrage des evangelischen Pfarramtes, er möge mitteilen, ob er Kirchenmitglied sei, und das eventuelle Taufdatum angeben. Die Frage an die Eltern, warum er nicht getauft sei, während sie doch zur Kirche gehören, eröffnet einen Familiendisput. Die Mutter antwortet, sie sei zwar getauft, habe aber nichts davon gemerkt. Er sollte sich selber entscheiden. Ich meine, die Amtskirche bleibt den Menschen etwas schuldig, wenn sie nicht vermittelt, was es mit der Taufe auf sich hat. Etwa dass man den Tauftag feiert, sich an den Taufspruch erinnert, vielleicht eine Taufkerze anzündet. Das weckt die Frage nach der Bedeutung, die dem Lebensalter entsprechend beantwortet werden kann. Jesus hat die Taufe als Zugang zum Christsein gestiftet, damit alle, die sich darauf einlassen, ein Gottvertrauen bilden können.

Grünbein berichtet noch, wie ihn der Mord am Ex-Beatle John Lennon 1980 erschüttert habe. Musik kennt keine Grenzen, die Beatles hatten auch in der DDR ihre Fans. Aber die Schrecken der Welt wecken existenzielle Fragen und führen gleichsam in den Vorhof von Religion. Um Antworten muss man sich bemühen, Vertrauen wiederherstellen und im Gespräch Auskunft geben. Das kleine Kapitel stimmt nachdenklich, weil religiöse Überlieferung verstanden werden muss, damit sich Zuversicht bilden kann: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“ (Lukas 10,20).

Reinhard Rittner ist Pfarrer im Ruhestand in Oldenburg.

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