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NWZonline.de Nachrichten Kultur Sonntagswort

Zeiten und Menschen

29.08.2009

Wie entstand die Zeit? Als christliche Theologin zitiere ich da natürlich zuerst die Bibel: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer . . . Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (Gen 1, 1-5)

Der Wechsel von Sonnenlicht und Dunkelheit teilte die Zeit ein. Nichts anderes maß die Zeit in den ersten Jahrhunderten bis zur Erfindung der Sonnenuhr. Noch im letzten Jahrhundert gab es Dörfer, in denen die Glocken am Sonntag angestellt wurden, wenn auf dem Hügel der am weitesten entfernt wohnende Bauer zu sehen war. Nicht die Zeit bestimmte den Menschen, sondern der Mensch noch die Zeit. Das hört sich ganz ideal an, aber die Menschen waren dafür anderen Kräften mehr ausgesetzt als wir heute. Wie sagt der Wiener Philosoph Otto Neurath so schön: Wenn sich früher ein Sumpf und ein Mensch begegneten, starb der Mensch, heute stirbt der Sumpf.

Aber wann haben Sie zuletzt etwas nur so gemacht, ohne sich dabei von der Zeit bestimmen zu lassen? Einfach so dasitzen, ohne Hausarbeiten zu machen oder zu telefonieren, durch den Wald laufen, ohne dabei von A nach B kommen zu wollen, einfach nur so. Eine sterbende junge Frau sagte mal, dass das die Augenblicke seien, die ihr in Erinnerung sind, die ihr sinnvoll erschienen, im Rückblick auf ihr Leben.

Zeit und Ewigkeit werden oft als Gegensätze verstanden, als höchstens nacheinander geschaltet. Dabei ist nach religiösem Verständnis das Ewige durchaus jetzt erfahrbar, in der Gotteserfahrung, wenn eben das Hier und Jetzt sich berühren, wenn für einen Moment die Zeit still steht. Solche Momente kann ich nicht herbeizaubern. Doch ich muss mir Zeit für sie nehmen, Zeit, um den Augenblick bewusst zu erleben. So dichtet Andreas Gryphius: „Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen. Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen. Der Augenblick ist mein, und den nehm’ ich in Acht. So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.“

Anja Kramer ist Pastorin an der Martin-Luther-Kirche in Oldenburg.

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