Auch erfahrene Landwirte betreten manchmal Neuland. So wie Olaf Warband, der in diesem Jahr erstmals Spargel unterm Folientunnel angebaut hat. „Um etwa zehn Tage kann die Ernte dadurch vorgezogen werden“, so der Westersteder, dessen Familie seit 1991 neben anderem Gemüse die edlen Stangen anbaut. Aufgebaut wurde der Betrieb von Gesine und Dierk Warband, vor zwei Jahren dann hat Sohn Olaf die Leitung übernommen und bewirtschaftet seitdem 15 Hektar. Acht bis zwölf Jahre kann Spargel auf einer Fläche angebaut werden, danach ist der Boden für diesen Zweck nicht mehr geeignet und muss gegen ein anderes Feld ausgetauscht werden.
Mit Folie an sich arbeitet man hier schon lange, allerdings nur mit Schwarz-Weiß-Folie, die direkt auf den Dämmen liegt. Zeigt die schwarze Seite nach oben, so wird die Erde durch die Sonneneinstrahlung stärker erwärmt, zeigt die weiße nach oben, kann die Ernte durch die Abschwächung der Wärme noch ein wenig verzögert werden. Ein weiterer Pluspunkt: Der Spargel wechselt durch die fehlende Berührung mit dem Tageslicht nicht seine Farbe. Er wird also nicht violett – was seinen Geschmack zwar nicht verändert, ihm aber das bei vielen beliebte reine Weiß nimmt. Der Folientunnel, den man nun an einigen Reihen versucht hat, und die dazugehörige Spargelspinne lassen den Ertrag noch leichter steuern.
Die Spinne als nützlicher Helfer
Sobald es hell wird, also etwa ab sechs Uhr, sind die derzeit rund zehn Erntehelfer aus Polen und Rumänien auf dem Feld unterwegs. Zunächst wird die Folie in der Spargelspinne „eingefädelt“, so dass sie Stück für Stück angehoben und sich dann am Ende der batteriebetriebenen Spinne wieder über den Damm legt. Durch das Anheben haben die Männer problemlos Zugriff auf den Damm und können genau sehen, wo ein kleines Köpfchen herausragt. Mit dem Spargelmesser gibt’s dann einen exakten Stich in die Erde – schon hält man die Spargelstange in der Hand und kann sie in die Kiste legen. So schnell wie möglich werden diese auf den nahe gelegenen Hof transportiert, gewaschen und in eisigem Wasser herabgekühlt. So behält der Spargel seine Frische, auch durch das sofortige Einlagern im Kühlhaus bei etwa drei bis vier Grad.
Für jeden Geschmack die richtige Stärke
Zu guter Letzt geht’s ans Sortieren. Dafür werden die Stangen zunächst so aufs Band gelegt, dass sie die richtige Höhe haben, um am Ende mit dem Messer gekappt zu werden. Immerhin, gleichlang sollen die Stangen sein und dazu noch eine einheitliche Dicke haben. Diese wird mit Hilfe eines Lasers ermittelt, der die Stangen dann vorsichtig ins richtige Wasserbecken lenkt. Dort werden sie herausgefischt und akkurat in Kisten aufeinandergelegt. Die von Spargelliebhabern am meisten geschätzte Stärke liegt bei etwa 21 Millimetern, außerdem werden noch die Jumbo-Stangen sortiert und natürlich der Bruchspargel, der besonders gut für eine feine Suppe oder einen knackigen Salat geeignet ist. Ein Großteil des Spargels wird an die Gastronomie geliefert. Dazu werden noch etliche Stangen des königlichen Gemüses im Hofladen und auf den Märkten in Westerstede, Bad Zwischenahn und Edewecht sowie samstags bei der Schlachterei Lüers verkauft.
