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NWZonline.de Region

Spezialboote versorgen Arbeiter auf hoher See

04.10.2010

NORDDEICH Noch bevor vor einigen Jahren der Offshore-Boom losging, stand die Reederei Norden-Frisia vor einer entscheidenden Frage: „Wollen wir mitmachen oder nur zugucken“, erinnert sich Reederei-Prokurist Armin Ortmann. Das war 2001. Damals stieg das Unternehmen bei der Offshore Wind Technologie GmbH (OWT) aus Leer ein – einem Ingenieurbüro, das sich auf das Fundament-Design für Offshore-Windkraftanlagen spezialisierten hat.

Neun Jahre später, im Mai 2010, bündelte die Reederei ihre Offshore-Aktivitäten in der 100-prozentigen Tochtergesellschaft Frisia-Offshore. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Unternehmen durch Aufträge für Alpha Ventus bereits einen Namen bei der Versorgung von Windparks auf hoher See erarbeitet.

Altes Kerngeschäft

An der äußersten Molenspitze des Norddeicher Hafens (Landkreis Aurich), direkt an der Nordsee, liegt der Hauptsitz der Frisia-Offshore. Aus den Fenstern sieht man in der Ferne zwei Inseln – rechts Norderney, links Juist – und weiße Fähren, die mehrmals täglich Touristen oder Lebensmittel und andere Versorgungsgüter auf die Inseln bringen. Das ist das Kerngeschäft der Reederei Norden-Frisia, schon seit 1871.

Noch weiter links in der Reihe der ostfriesischen Inseln liegt Borkum – und von hier aus 45 Kilometer weiter nördlich der Offshore-Windpark Alpha Ventus. Das ist nicht weit weg – und als das Baukonsortium unter dem Dach der Doti 2008 einen Auftrag zur Versorgung des Windparks mit Material und Personal ab Norddeich ausgeschrieben hatte, war die geringe Entfernung für die Norden-Frisia der Anstoß, ihr Engagement im Offshore- Bereich zu verstärken.

Gelungener Einstieg

„Dadurch, dass ein deutsches Offshore-Testfeld in der Nähe entstanden ist, haben wir das als neuen Markt für uns erkannt und wollten dort Fuß fassen“, sagt Carl-Ulfert Stegmann, der nicht nur Vorstand der AG Reederei Norden-Frisia ist, sondern sich mit Ortmann die Geschäftsführung der neuen Offshore-Tochter teilt. Der Einstieg gelang. „Das Geschäft hatte sich so positiv entwickelt, dass wir diese Abteilung outgesourct haben“, erklärt Ortmann den Schritt zur Gründung der Frisia-Offshore.

Das eigenständige Tochterunternehmen deckt mittlerweile nicht mehr nur den Transport von Material und Personal zwischen Festland und Windpark ab. Für Alpha Ventus übernahm Frisia-Offshore auch die Verkehrssicherung, also das Überwachen der Baustelle mit Blick auf mögliche Gefahren oder Störungen durch vorbeifahrende Schiffe. Außerdem koordiniert sie die eingesetzten Fahrzeuge zum Windpark.

Beim nächsten Projekt, dem Windpark Bard Offshore 1, wird mit der „Otto Treplin“ ein „Hotelschiff“ gestellt, auf dem die Arbeiter über Nacht unterkommen. Die „Otto Treplin“ wird zudem für verschiedene Projektgesellschaften im Rahmen von Forschungsfahrten eingesetzt – genauso wie die „Beaufort“, ebenfalls ein ehemaliger Tonnenleger.

Denn bevor neue Windparks auf See gebaut werden dürfen, sind umfangreiche Umweltgutachten zu erstellen. Zusätzlich ergänzen Mess- und Kontrollfahrten sowie Beratungsdienstleistungen das Angebot der Frisia-Offshore.

Auf diese Bandbreite ist das Unternehmen stolz. „Mit dem gesammelten Know-how sind wir der einzige Anbieter, den es in dieser Form zur Zeit am Markt gibt“, sagt Fred Meyer, verantwortlich für den Bereich Technik und Nautik. „Es gibt zwar Mitbewerber, aber die verfügen zum Beispiel über andere Schiffstypen und weniger Erfahrung. Das beste Konzept in der Summe der Möglichkeiten haben wir.“

Besondere Bug-Form

Ein Summand der Rechnung: der Offshore-Katamaran Wind Force I, den die Reederei 2008 eigens für das Projekt Alpha Ventus in Auftrag gegeben hat. Das Besondere ist der Bugbereich. Durch die S-Form kann der Kapitän das Boot nahtlos an den runden Pfeiler der Windkraftanlage heranmanövrieren, was den Arbeitern ein gefahrloses Übersteigen vom Deck auf den Turm ermöglicht. Jüngster Zugang der Flotte ist die „Gode Wind, ein Patrouillenboot der Wasserschutzpolizei, welches zukünftig ebenfalls für Personentransfers in der Nordsee zum Einsatz kommen soll.

Von all diesen Aktivitäten profitiere auch der Nordwesten, findet Stegmann. „Offshore und die Wertschöpfung von Offshore finden wirklich hier in der Region statt“, sagt er. Der Bau von Schiffen, die Schaffung von Arbeitsplätzen – das fördere die heimische Wirtschaft. Die Frage, ob das auch in Zukunft so bleibt, beantwortet er vorsichtig. „Wir können schlecht beurteilen, wie sich das da draußen macht. Das ist Neuland, in dieser Wassertiefe hat es Windparks noch nie gegeben“, sagt er. „Das sind neue Herausforderungen, die anfangs vielleicht anders beurteilt worden sind.“ Aber: Die Entwicklung werde sicher weitergehen – auch die technologische. Und seiner Firma gesteht er dabei keine unwichtige Rolle zu. „Unsere Nautiker sind jeden Tag da draußen – und versuchen, ihre Erfahrungen umzusetzen.“

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