Spiekeroog - Höhepunkte aus 42 Jahren Reitbetrieb auf Spiekeroog sind für Klaus Petschaft nicht die Kutschfahrten mit Otto Waalkes oder Bundespräsident Johannes Rau. „Es sind die kleinen Geschichten. Und davon gibt es ganz viele“, sag Petschat. Wie Weihnachten vor etwa 15 Jahren, als eines seiner Pferde eine schwere Kolik bekam. Mit einem Insulaner, der bereit war, sein Boot ins eisige Wasser zu lassen, fuhr Petschat am ersten Weihnachtstag um 6 Uhr nach Neuharlingersiel, um den Tierarzt abzuholen. „Das Pferd haben wir gerettet. Das war schon eine tolle Sache“, erinnert sich Klaus Petschat.
Aber jetzt ist Schluss: Petschat hat den Reitbetrieb aufgegeben. Kutschfahrten werde es allerdings weiter geben und auch Kurpferde kommen noch unter. Die Resonanz sei groß: „Wir bekommen ganz viele Anrufe. Ob wir wegen Corona aufhören“, sagt Petschat. Doch der Grund sei das Alter, Corona lediglich ein Auslöser, denn anbieten könnten seine Lebensgefährtin Anja Umlandt und er aktuell ohnehin nicht. Für sich hat er das Höchste erreicht. Er wollte immer selbst entscheiden, wann er aufhört. „Wir haben ja auch die Verantwortung den Pferden gegenüber.“
Beginn mit vier Pferden und einer Bretterbude
1979 fing alles an: Klaus Petschat, damals 26 Jahre alt und Jura-Student, hatte die Möglichkeit, eine Reitschule auf Spiekeroog zu eröffnen – mit vier Pferden und einer Bretterbude. „Da musste ich nun eine Entscheidung treffen.“ Das Studium brach er ab. Nach und nach sind es mehr Pferde geworden, erzählt Petschat. An den kleinen Stall baute er immer wieder selbst an. 1984 wurde die Reitanlage errichtet. „Das musste sein, ich hatte bei Stürmen schon Angst um die Pferde, weil das so wackelig war.“ Stolz war der heutige 67-Jährige, als 1985 die Auszeichnung mit dem Gütesiegel der Deutschen Reiterlichen Vereinigung erfolgte.
Schon in seiner Jugend verbrachte der passionierte Reiter viel Zeit auf Spiekeroog. Auf der autolosen Insel waren – bevor es die E-Karren gab – viele Pferde unterwegs. Auch auf dem Festland war Petschat aktiv, ritt auf Turnieren und gab Reitunterricht, selbst während seiner Bundeswehr-Zeit.
Bis zu 20 Pferde standen im Stall von Klaus Petschat und seiner Lebensgefährtin Anja Umlandt. Das Futter für die Vierbeiner baute der Reitlehrer selbst an. Nicht nur das: Weil es auf der Insel weder Tierarzt noch Hufschmied gibt, eignete er sich auch hier Grundlagen selbst an. Die Vielseitigkeit der Aufgaben war ein Grund, warum die Suche nach einem Nachfolger schließlich erfolglos war. „Die Leute sehen immer nur das Schöne“, sagt Petschat. Doch nach einem Blick hinter die Kulissen trauten sich die meisten die Übernahme doch nicht zu. Zudem müsse auch das Geld da sein, gerade auf Spiekeroog.
Die Schulpferde sind nun alle in gute Hände gegangen. Das war Petschat und Umlandt sehr wichtig und einer der Gründe, aufzuhören, solange sie alles noch selbst entscheiden können. Für die Zeit, wenn auch der Kutsch- und Kurbetrieb zu Ende geht, hat das Paar bereits ein Haus auf dem Festland gekauft – mit Stall versteht sich. „Ohne Pferde, das geht für mich gar nicht“, sagt der 67-Jährige. Die Insel wird für ihn immer mit Pferden verbunden sein. „Bei Spiekeroog denke ich an Sand, Wasser und Pferde. Das kann ich gar nicht genau erklären.“
