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2. Liga Walters Wagenburg: «Das ist der neue HSV»

Die HSV-Profis drehten das Spiel in Heidenheim.

Die HSV-Profis drehten das Spiel in Heidenheim.

Stefan Puchner/dpa

Heidenheim (dpa) - Tim Walter ist sich sehr sicher. «In den letzten Jahren wären wir hier untergegangen», sagte der Trainer des Hamburger SV nach einem spektakulären Zweitliga-Spitzenspiel beim 1. FC Heidenheim. Und Walter prägte noch einen anderen für ihn sehr wichtigen Satz: «Das ist der neue HSV!»

Was der 47-Jährige damit meinte: Dieser neue HSV holt noch ein 3:3-Unentschieden, wenn er bei seinem größten Rivalen schon mit 0:3 zurücklag. Und dieser neue HSV hält die Konkurrenz im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga weiter auf Abstand, statt sie wie in den vergangenen vier Jahren regelmäßig in der Rückrunde vorbeiziehen zu sehen.

Tabellenführer Darmstadt 98 gewann zwar am Sonntag durch ein Tor in der Nachspielzeit noch mit 2:1 (0:0) gegen Eintracht Braunschweig. Dafür liegt der 1. FC Kaiserslautern nach dem 0:1 (0:0) beim FC St. Pauli jetzt sechs Punkte hinter dem großen Aufstiegsfavoriten zurück.

Was beim HSV aber auch auffällt: Der neue HSV ordnet seinem großen Ziel Erstliga-Rückkehr restlos alles unter. Walters Wagenburg steht rund um sein Team. Und zumindest bislang war es auch ganz egal, was vor dieser Wagenburg alles passierte.

Viele Nebenschauplätze

Die Machtkämpfe auf den Gesellschafter- und Führungsebenen erreichen die Mannschaft kaum noch. Beim Dopingfall Vuskovic haben es die Hamburger geschafft, dass vor dem Frankfurter Sportgericht mehr über die Schwächen des Anti-Doping-Systems an sich geredet wird als über die Frage, ob der HSV-Verteidiger gedopt hat oder nicht.

Am Samstagabend in Heidenheim ließ Walter dann auch noch den Franzosen Jean-Luc Dompé von Beginn an spielen, obwohl der und sein Teamkollege William Mikelbrencis nur fünf Tage zuvor in einen Autounfall mit Fahrerflucht verwickelt waren, bei dem die Polizei nun wegen des Verdachts auf ein illegales Autorennen ermittelt.

«Er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat. Den hat er auch eingestanden - in der Öffentlichkeit und vor allem bei uns in der Kabine», sagte Walter über Dompé. «Er wird dafür bestraft werden. Wir haben ihn als Verein sanktioniert.» In der Rückkehr auf den Platz sehe er auch eine Art «Therapie» für den Franzosen. «Das hilft ihm auch, weil er den Fußball liebt.»

Klare Worte aus Heidenheim

Dass man das auch anders sehen kann, machte der Heidenheimer Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald in einer Klarheit deutlich, die man im Profifußball nur selten hört. Es sei noch ein laufendes Verfahren und er wolle niemanden vorverurteilen, sagte Sanwald in einem Sky-Interview. Aber: «Bei uns beim 1. FC Heidenheim geht es etwas anders zu. Für uns würde ich ausschließen, dass solche Jungs nochmal für uns Fußball spielen.»

Dass sich Walter und Sportvorstand Jonas Boldt so vor Dompé, Mikelbrencis und Vuskovic stellen, ist auch ein Signal an den Rest der Mannschaft. Und die hat in dieser Atmosphäre des «Wir gegen den Rest» längst eine Widerstandsfähigkeit entwickelt, die dem HSV über Jahre abging. «Es fühlt sich wie ein Sieg», sagte Torjäger Robert Glatzel nach dem Heidenheim-Spiel. «Dass wir hier zurückkommen, kann am Ende richtig wichtig sein. Wir glauben immer an uns. Wir geben nie auf. Das zeigt, welche Mentalität wir haben.»

3:0 führten die Heidenheimer bereits durch Tore von Jan-Niklas Beste (27. Minute), Jan Schöppner (30.) und Tim Kleindienst (41.). Weil der Tabellendritte in den ersten 20 Minuten nach der Pause mehrere Chancen zum 4:0 oder gar 5:0 ausließ, kam der HSV durch Andras Nemeth (72.), den ehemaligen Heidenheimer Glatzel (79.) und ein Traumtor von Bakery Jatta (88.) wieder zurück.

Die längst bekannten Schwächen im Abwehrverhalten, die das Unternehmen Aufstieg noch einmal ernsthaft in Gefahr bringen könnten, gehören auch zur Geschichte dieses Spitzenspiel-Spektakels. Aber beim «neuen HSV» wird auch das offen angesprochen. «Wir haben Mentalität und die ganze Stadt hinter uns. Diese Wucht ist nur schwer aufzuhalten», sagte Walter. «Aber über die ersten 60 Minuten muss man auch reden.»

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