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Bundesliga Millionenstreit zur Unzeit: Die Eintracht im Führungschaos

Auf Abstand: Eintracht-Finanzvorstand Axel Hellmann (l) und Aufsichtsrats-Boss Philip Holzer.

Auf Abstand: Eintracht-Finanzvorstand Axel Hellmann (l) und Aufsichtsrats-Boss Philip Holzer.

Arne Dedert/dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Irritierender Streit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat, Indiskretionen, Abschiedsgerüchte um den Erfolgstrainer: Knapp ein Jahr nach dem Europapokaltriumph ist Eintracht Frankfurt in einen Negativstrudel geraten, der sich auf allen Ebenen bemerkbar macht.

Dem seit Mitte Februar sieglosen Team droht am Ende einer dann sehr tristen Saison der Abschied von Vorstandsprecher Axel Hellmann zur Deutschen Fußball Liga - und Medienberichten zufolge auch der von Oliver Glasner zum FC Chelsea nach England.

Und in dieser Gemengelage sollen die Profis um Ex-Weltmeister Mario Götze an diesem Dienstag (18.00 Uhr/ZDF und Sky) das Pokal-Viertelfinale gegen den 1. FC Union Berlin bestreiten. Bestenfalls erfolgreich - auch zur Ablenkung von den internen Querelen. Die Führungskrise habe «gar keinen Einfluss auf den Sport», stellte zwar Sportvorstand Markus Krösche klar, sein Auftritt im ZDF-«Sportstudio» hatte aber gerade erst die Absurdität der Lage am Main verdeutlicht. 

Vertrauensfrage gestellt?

«Ich glaube, dass es gar nicht so wirklich kracht. Natürlich sind wir ein Team. Wir arbeiten alle gut zusammen, der Vorstand auch», sagte der 42-Jährige am Samstagabend. Wenige Minuten später berichtete die «Bild-Zeitung» über ein Schreiben des Vorstands um Krösche und Hellmann, in dem die Vertrauensfrage an den Aufsichtsrat gestellt worden sein soll. Am Sonntag folgte die Antwort von Aufsichtsratschef Philip Holzer - in dem zerfahrenen Streit der Gegenspieler von Hellmann - in Form eines internen Schreibens an den Aufsichtsrat und den Club-Vorstand. Auch dieses wurde an Medien durchgestochen und wörtlich zitiert.

«Grundsätzlich ist es unschön, wenn vertrauliche Dokumente an die Öffentlichkeit gelangen», teilte ein Vereinssprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. Zur Unzeit können die treuen und im europäischen Fußball hochgelobten Fans der Eintracht mitverfolgen, warum die Führungsriege ihres Vereins zerrissen ist.

Im Kern soll es den Medienberichten zufolge um ein vom Vorstand bei einer Rating-Bank in Auftrag gegebenes Wertgutachten gehen. Im Aufsichtsrat solle es offenbar Stimmen geben, die den angeblichen Wert von etwa 500 Millionen Euro für die Fußball-AG für zu hoch angesetzt halten. Aufsichtsratschef Holzer und sein Geschäftspartner Stephan Orenstein sind gleichzeitig Anteilseigner, sie besitzen 16,81 Prozent der Anteile an der Fußball-AG. Geht es um den Erwerb weiterer Pakete, kommt dem Käufer eine niedrigere Bewertung zugute. Dem Verein ist freilich an einer hoch eingestuften Millionen-Wertung gelegen.

Fischer kündigt klärendes Gespräch an

«Es ist mir in dieser ganzen Diskussion wichtig zu betonen: Ich brauche für mein Eintracht-Engagement nur emotionale Rendite», zitierte die «Bild»-Zeitung Orenstein. Vereinspräsident Peter Fischer kündigte ein klärendes Gespräch zwischen Holzer und Hellmann an. «Differenzen und unterschiedliche Meinungen gehören dazu, sollten aber nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Eine spaltende Kommunikation ist schädlich», sagte Fischer. 

Hellmann, der nach dem Abgang von Donata Hopfen derzeit mit Freiburgs Oliver Leki interimsmäßig die DFL leitet, wird bei der Liga auch als langfristige Lösung gehandelt. Der Führungsstreit im eigenen Haus könnte den DFL-Job für Hellmann (noch) attraktiver machen - und die Eintracht würde einen der Architekten der vergangenen Erfolgsjahre verlieren. Der 51-Jährige arbeitet seit Jahrzehnten bei den Hessen und wird in der Region hoch geschätzt.

«Ich schätze Axel Hellmann sehr, aber ich muss respektieren, dass er bis 2027 einen Vertrag bei der Eintracht hat, und ich habe mit ihm auch noch nicht über die Zukunft gesprochen. Das wird sicher stattfinden», sagte DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke der «Süddeutschen Zeitung».

Hellmann und Krösche werden ihrerseits das Gespräch mit Glasner suchen, dessen Vertrag im Sommer 2024 ausläuft. Die Hinserie mit dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League waren starke Argumente für einen Verbleib des Österreichers. Die Leistungen in der laufenden Rückrunde, die für die Eintracht im grauen Mittelfeld enden könnte, sprechen dagegen. Insbesondere, wenn Top-Clubs wie Chelsea auf Trainersuche sind.

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