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Tennis Djokovic will neue «Geschichte» schreiben

Novak Djokovic jubelt über seinen Sieg.

Novak Djokovic jubelt über seinen Sieg.

Thibault Camus/AP/dpa

Paris (dpa) - Das Alter des berühmtesten Partygasts inspirierte Novak Djokovic direkt zum Angriff auf weitere Rekorde in seiner einmaligen Tennis-Karriere.

Tom Brady hatte als 43-jähriger Quarterback noch den Super Bowl gewonnen, da soll für den Serben mit 36 lange nicht Schluss sein. «Ich habe immer noch Zeit, Tom», sagte Djokovic am späten Sonntagabend in Paris lachend über seinen Edelfan - und sieht sich selbst nach dem 23. Grand-Slam-Titel nicht am Ziel seiner Träume. «Die Reise ist noch nicht vorbei. Solange ich noch Slams gewinne, warum sollte ich überhaupt daran denken, meine Karriere zu beenden.»

Nach der Feier als erfolgreichster männlicher Profi der Geschichte küsste Djokovic am Montagmittag die silberne Trophäe für den French-Open-Sieger mit dem Eiffelturm im Hintergrund. Rafael Nadal (22) und Roger Federer (20) hat er bei der Zahl der großen Titel hinter sich gelassen. «Zu Ende ist die Debatte darüber, wer der Größte aller Zeiten im Tennis ist», schrieb selbst die Sportzeitung «Marca» aus Nadals spanischer Heimat.

«Bin immer noch motiviert»

Bei der Pressekonferenz lauschte Tochter Tara von der Ecke des Podiums ihrem Vater, auch Sohn Stefan hörte zu. Bis sich Djokovic aber nur noch seiner Familie widmet, wird es noch dauern. «Ich bin immer noch motiviert, immer noch inspiriert, das beste Tennis bei Grand Slams zu spielen. Dies sind die Turniere, die am meisten in der Geschichte unseres Sports zählen», sagte Djokovic, der auch die Weltranglistenspitze für die 388. Woche zurückeroberte.

Nun will er erstmals alle vier Grand Slams in einem Jahr gewinnen. Vor 54 Jahren schaffte dies bei den Herren zuletzt der Australier Rod Laver, Steffi Graf triumphierte 1988 sogar auch noch bei Olympia. «Ich hätte gerne noch einmal die Chance, in New York Geschichte zu schreiben», schwärmte Djokovic am späten Sonntagabend beim Tennis Channel von der großen Chance.

Bei seinem «Traumturnier» in Wimbledon geht der Serbe in drei Wochen als Favorit auf den achten Titel an den Start, bei den US Open stand er schon 2021 kurz vor dem sogenannten Grand Slam. Völlig verkrampft scheiterte er damals jedoch im Finale.

Evert: «Habe nie jemanden wie Novak Djokovic gesehen»

Inzwischen wirkt Djokovic noch gefestigter. «In den letzten 50 Jahren habe ich jeden Champion im Tennis studiert. Ich habe nie jemanden wie Novak Djokovic gesehen», huldigte die 18-malige Grand-Slam-Turniersiegerin Chris Evert. Die deutlich jüngeren Herausforderer Carlos Alcaraz (20) im Halbfinale und Casper Ruud (24) im Endspiel mussten sich der mentalen und körperlichen Stärke des Dominators geschlagen geben.

«Er nimmt dir die Beine, dann nimmt er deine Seele, dann gräbt er dein Grab und dann ist dein Begräbnis und du bist tot. Bye-Bye. Danke, dass du da warst», charakterisierte Trainer Goran Ivanisevic auf martialische Weise den Siegeswillen seines Schützlings. «Es ist faszinierend zu sehen, weil du manchmal denkst, okay, jetzt hast du 23. Aber er wird wieder die Motivation finden, 24 zu gewinnen, vielleicht 25, wer weiß, wo das Ende ist.»

Den Antrieb erhält Djokovic durch die Spiele, bei denen sich wie am Sonntag auf dem Court Philippe-Chatrier die Augen der Sportwelt auf ihn richten. Nachdem er sich bei Brady sowie Fußball-Superstars wie Kylian Mbappé, Zlatan Ibrahimovic und Olivier Giroud auf der Tribüne bedankt hatte, machte Djokovic mehr als eine Stunde nach dem Matchball immer noch Selfies mit Fans und Turnierhelfern, verschenkte seine Ausrüstung. «Er hat diese Software im Kopf, die er anschalten kann, wenn ein Grand Slam kommt», beschrieb Ex-Wimbledon-Champion Ivanisevic die Mentalität.

Kritik und Kontroversen

Dazu gehören auch immer wieder Kontroversen. So sorgte Djokovic bei den French Open mit seiner politischen Botschaft zu den Unruhen im Kosovo für Kritik, mit seiner Weigerung zur Corona-Impfung hatte er sich in der Vergangenheit wahrscheinlich selbst um weitere Grand-Slam-Titel gebracht.

Ivansevic berichtete in einer launigen Pressekonferenz, vor welche Herausforderungen Djokovic auch das eigene Team mit seinem sehr eigenen Kopf immer wieder stellt. «Er hat uns mit Handschellen drei Tage lang angekettet», scherzte der 51-Jährige. «Er ist kein einfacher Junge, besonders wenn etwas nicht nach seinem Willen läuft.»

Auch Brady war während seiner Karriere für gewisse Beharrungskraft bekannt. Djokovic berichtete, dass er bereits zehn Jahre lang mit dem größten Footballprofi der Geschichte in Kontakt stehe, ihn aber nun zum ersten Mal traf. «Er ist die Essenz von Langlebigkeit im Sport», sagte Djokovic und beschrieb, was er von dem 45-Jährigen gelernt hat: «Wir haben viel über diese Langlebigkeit gesprochen, was dir einen Vorteil bringt, was dir mental, physisch, emotional erlaubt, eine bessere Version von dir selbst zu werden.» Die Version von Djokovic bei den French Open dürfte nicht die letzte gewesen sein.

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