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US Open «Noch ein weiter Weg»: Kampf um Gleichberechtigung im Tennis

Charlotte Maria (r), Tochter der Spielerin Tatjana Maria, spricht über ihren Traum, Profi zu werden.

Charlotte Maria (r), Tochter der Spielerin Tatjana Maria, spricht über ihren Traum, Profi zu werden.

Bernd Thissen/dpa

New York (dpa) - Auch die nächste Tennis-Generation schwärmt bereits von der Vorkämpferin für Gleichberechtigung.

Bei der Gala zum 50-jährigen Bestehen der Damen-Profiorganisation WTA kurz vor Beginn der US Open richtete Charlotte Maria, Tochter der deutschen Spielerin Tatjana Maria, auf der Bühne im Ziegfeld Ballroom von New York ihre Worte an Billie Jean King. «Danke dir, Billie Jean, für alles, was du tust, und an alle Spielerinnen inklusive meiner Mama, die mich inspirieren», sagte die Neunjährige, die selbst Profi werden will.

Die heute 79 Jahre alte Amerikanerin King gründete 1973 nicht nur die WTA - sondern sorgte auch maßgeblich dafür, dass erstmals vor 50 Jahren bei den US Open Frauen das gleiche Preisgeld wie die Männer erhielten. Zuvor hatte sie für ihren Sieg 1972 in New York 10.000 US-Dollar bekommen - und damit weniger als die Hälfte wie Herren-Champion Ilie Nastase. King drohte mit einem Boykott aller Topspielerinnen für das nächste Jahr, der US-Verband schwenkte um und schüttete als erster Grand-Slam-Veranstalter der Geschichte gleiche Prämien aus. Die weiteren drei Majors folgten im Laufe der Jahre.

Tennis weit von equal pay entfernt

Diese Auflage der US Open steht nun ganz im Zeichen von King. Die bunte Illustration ihres ikonischen Porträts aus der Ära der 1970er-Jahre ziert das offizielle Turnier-Plaket und ist auf der Anlage in Flushing Meadows allgegenwärtig. «Billie Jean King leistet unglaublich viel in ihrem hohen Alter», lobt Bundestrainerin Barbara Rittner im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist toll, mit welcher Energie sie sich einsetzt.»

Doch bei aller Begeisterung über das gleiche Preisgeld - bei den US Open erhalten Siegerin und Sieger jeweils drei Millionen US-Dollar - ist auch das Tennis wie andere Sportarten insgesamt von einem sogenannten equal pay weit entfernt. Beim gemeinsamen Vorbereitungsturnier in Cincinnati kassierte der Serbe Novak Djokovic für seinen Triumph gut eine Million US-Dollar, Coco Gauff als Siegerin der Damen nicht einmal die Hälfte. «Bei den kombinierten Turnieren, die ich gespielt habe, war es zumindest bei meinen Matches genauso voll wie bei den Topspielern der Herren», klagte die Amerikanerin. «Ich denke nicht, dass es um die Attraktivität geht.»

2022 waren in der Top Ten der Forbes-Liste der am besten verdienenden Sportlerinnen zwar gleich sieben Tennisspielerinnen vertreten. Im gemeinsamen Ranking mit den Männern schafft es dieses Jahr jedoch nur Serena Williams auf Platz 49 als Frau unter die besten 50. 

Finals in Saudi-Arabien?

«Wir sind die am besten bezahlte Frauensportart der Welt, das darf man nicht vergessen. De facto liegt man beim Preisgeld bis auf die Grand Slams aber noch weit auseinander», sagte die frühere Profispielerin Rittner in New York. «Tennis geht von der Tendenz her einen guten Weg, aber es ist noch ein weiter Weg, bis man es wirklich Gleichberechtigung nennen kann.»

Die WTA hat die Angleichung der Preisgelder für die gesamte Damen-Tour als langfristiges Ziel formuliert. Steve Simon, Chef der Organisation, begründet die aktuellen Unterschiede mit der höheren Bewertung des Herren-Tennis am Werbemarkt und bei den TV-Rechten. 

Beim Versuch, die Einnahmen bei den Damen zu vergrößern, steht im Raum, die Finals am Saisonende erstmals nach Saudi-Arabien zu vergeben. Doch Kritiker sehen in den Investitionen des streng konservativ regierten Königreichs den Versuch einer Imagepolitur, um von Verstößen gegen die Menschenrechte abzulenken. 

«Nehmt weniger Geld und tut das Richtige»

«Die WTA dreht sich um Gleichberechtigung. Wir waren Anführer und Vorbilder im Frauensport. Wir haben die letzten 50 Jahre Entscheidungen mit Integrität und Würde getroffen. Wir haben Frauen Macht gegeben», schrieb Tennis-Legende Chris Evert bei X, vormals Twitter und forderte: «Nehmt weniger Geld und tut das Richtige.»

Billie Jean King äußerte sich hingegen offener. «Ich glaube nicht, dass du etwas wirklich veränderst, ohne dass du dich engagierst», sagte die zwölfmalige Grand-Slam-Turniersiegerin. «Ich würde wahrscheinlich dorthin gehen und mit ihnen sprechen.» So wird in der Debatte, mit welchem Geld eine weitere Angleichung der Bezahlung ermöglicht werden kann, vermutlich eine Entscheidung fallen, bevor Charlotte Maria ihre nächsten Schritte auf dem angestrebten Weg zum Profi machen kann.

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