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NWZonline.de Sport

BVB-Patzer: Sammer liest "Durchschnittsmannschaft" Leviten

02.03.2019

Augsburg (dpa) - Trainer Lucien Favre wollte den nächsten Rückschlag von Borussia Dortmund in der Bundesliga als kleineren Betriebsunfall abtun.

Das durch individuelle Patzer zustande gekommene 1:2 (0:1) beim FC Augsburg "muss man akzeptieren, das ist leider so passiert", sagte der Coach und ergänzte: "Fehler gehören dazu zum Fußball." Dass ihn dieser Ausrutscher gegen zwar beherzt kämpfende, spielerisch aber deutlich limitierte Augsburger nervte, war am Freitagabend jedoch klar zu merken. Der Schweizer ist kein Polterer - die schonungslosere Analyse übernahm also BVB-Berater Matthias Sammer im TV-Studio.

Fehlende Kampfbereitschaft, Konzentrationsschwächen bei den jungen Abwehrspielern, mangelnde Konsequenz im Angriff, zu spätes Aufbäumen gegen die Niederlage: So kann das nichts werden im Kampf um die Meisterschaft gegen den FC Bayern und bei der erhofften Aufholjagd im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Tottenham (0:3). Zumal die Münchner im Titelrennen nach dem 5:1 in Gladbach bei gleicher Punktzahl bis auf zwei Tore herangekommen sind.

"Du musst in so einem Spiel 90 oder 95 Prozent erreichen, 60 Prozent reichen nicht", sagte Sammer bei Eurosport. "In Spielen wie gegen Augsburg, Düsseldorf, Hannover oder Nürnberg verhalten sich die Borussen nicht wie ein Champion, sondern wie eine Durchschnittsmannschaft in der Bundesliga." In den Auswärtspartien gegen diese Außenseiter holte der BVB insgesamt nur zwei Punkte.

Der erhoffte Schwung nach dem 3:2 gegen Leverkusen ist wieder dahin. "Extrem bitter, wir schießen uns die Tore selber rein durch zwei individuelle Fehler", sagte der nach einer Verletzungspause zurückgekehrte Dortmunder Kapitän Marco Reus zu den zwei Gegentreffern durch Dong-won Ji (24./68. Minute). Den Toren waren Patzer der jungen Verteidiger Dan-Axel Zagadou und Achraf Hakimi vorausgegangen. "Ich muss mich immer enorm zusammenreißen, dass ich nicht jemandem den Kopf abreiße", schimpfte Torhüter Roman Bürki. Paco Alcacers Anschlusstreffer zum 1:2 (81.) kam zu spät.

Statt Platz eins zu festigen, musste der BVB am Samstag zusehen, wie Verfolger FC Bayern bei Favres Ex-Team Borussia Mönchengladbach den Patzer eiskalt ausnutzte. Für Sammer ist der Moment gekommen, die Defizite in Dortmund zu thematisieren: "Wenn du nicht irgendwann an den Punkt kommst, wo du sagst: Jetzt ist klar: Das ist es - und jetzt alle zusammenreißen - dann ist es wie schleichendes Gift. Und das ist immer gefährlich."

In einer Krise waren auch die Augsburger zuletzt mit nur einem Sieg in 14 Liga-Partien und dem Abrutschen auf Tabellenrang 15. Der Platz bleibt den Schwaben zwar auch nach dem 24. Spieltag, der Erfolg gegen die Borussia aber wurde beim Schlusspfiff fast so gefeiert wie ein Klassenerhalt. Die Spieler fielen vor Freude auf die Knie, ein völlig durchgeschwitzter Coach Manuel Baum sprintete erstmal in die Kabine.

"Jedem, der mit dem FC Augsburg hält, sind heute viele Steine vom Herzen gefallen", sagte Sportchef Stefan Reuter. Der Manager, der als Spieler in Dortmund seine größten Erfolge gefeiert hatte, lobte vor allem Doppeltorschütze Ji und dessen "Geniestreich" beim Lupfer zum 2:0. Von einem "Befreiungsschlag" wollte der herausragende Torhüter Gregor Kobel zwar nicht reden. Aber der Erfolg "gibt uns sicher Sicherheit. Heute hat uns fast niemand einen Punkt zugetraut, umso schöner, wenn man als Sieger vom Platz geht. Das ist ein geiles Gefühl. Das können wir mitnehmen in die nächsten Wochen", sagte er.

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