Ganderkesee - Das gelegentlichen Krafttraining lässt sie an ihre körperlichen Grenzen stoßen: Romana von Seggern boxt seit Ende September des letzten Jahres im JC Bushido Delmenhorst. Doch aufgrund der weiblichen Anatomie kann sie nicht bei allen Übungen mitmachen.
Das Training beginnt mit einer Aufwärmeinheit. Danach wird mit unterschiedlichen Methoden an den verschieden Techniken gearbeitet. Manchmal steht auch Krafttraining auf dem Plan. Wenn dann noch Zeit ist, dürfen sich zwei Freiwillige duellieren und bekommen Verbesserungstipps von Trainer Leonid Jankilevich. „Es gibt Sachen, die mich zum Verzweifeln bringen, dafür fehlt mir für gewöhnlich genügend Praxis. Aber wichtig ist doch, dass es Spaß macht“, sagt die Ganderkeseerin mit einem Lachen.
Bei elf bis 17 Jugendlichen pro Trainingseinheit mit fast nur Jungen kam sich die 14-Jährige anfangs etwas beobachtet vor. Aber mittlerweile stört es sie nicht mehr, und sie fühlt sich wohl. Die Reaktionen auf das immer häufiger von Frauen ausgeübte Hobby seien eigentlich nur positiv. Ihre Klassenkameraden seien erstaunt gewesen, und ihre Begeisterung für das Boxen habe vor allem die Mädchen angesteckt.
Das Frauenboxen unterscheidet sich nicht besonders vom Männerboxen, Frauen sollten lediglich der Gesundheit wegen einen Brustschutz tragen. Romanas Ansicht über diesen Sport hat sich verändert, seit sie selber boxt. Sie habe nicht erwartet, dass es so sehr auf die Techniken ankomme.
Zum Sport gehöre bei Weitem mehr als das Schlagen an sich. Bis die Techniken sich automatisiert haben, dauere es meist etwas länger. Dazu gehöre viel Ehrgeiz und Disziplin. Doch die Motivation für dies Hobby hat einen ernsten Hintergrund: Nachdem sie von jemandem belästigt worden war, wollte sich Romana zur Wehr setzen können.
Aus ganz ähnlichen Gründen wie Romana haben in der Boxgeschichte auch andere Frauen mit diesem Sport angefangen. Bereits im 18. Jahrhundert boxten Frauen illegal gegeneinander, und auch lange danach wurde der Frauenboxsport noch nicht ernst genommen.
Die Neuntklässlerin aus Ganderkesee arbeitet trotz des zweimal wöchentlichen Trainings nicht speziell auf Kämpfe hin. Romana von Seggern möchte erst einmal gucken, wie sie sich entwickelt. „Meine Ziele sind hauptsächlich Spaß und die Selbstverteidigung. Praktischer Nebeneffekt ist, dass man fitter wird“, erklärt sie.
