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NWZonline.de Sport

Beschwingte Bayern-Bosse nach Auftaktsieg

19.01.2019

Sinsheim (dpa) - Beschwingten Schrittes eilten die Bayern-Bosse in die Nacht hinaus. Präsident Uli Hoeneß verkniff sich jeden Kommentar, seine entspannte Miene sprach jedoch Bände.

"Ein schönes Wochenende", rief Vorstandschef Rummenigge und schob noch hinterher: "Wir haben ein schönes Wochenende. Das Spiel war super." Auch Trainer Niko Kovac bekam sein Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Mit dem 3:1 (2:0) am Freitagabend bei der TSG 1899 Hoffenheim hat der FC Bayern München seine Aufholjagd auf Herbstmeister Borussia Dortmund ideal gestartet.

"Wir haben den Druck aufgebaut. Die Bundesliga wird langsam wieder interessant", sagte Kovac frohlockend. "Wir haben gezeigt, dass wir da sind, dass man mit uns rechnen muss. Wir sind bereit für die Verfolgungsjagd." Das Hoffen auf einen umgehenden Ausrutscher der Dortmunder in Leipzig am Samstag erfüllte sich indes nicht. Der BVB sicherte sich einen glücklichen 1:0-Sieg und liegt daher weiter sechs Punkte vor den Münchnern.

Dennoch hatte der Tabellenzweite nicht sein komplettes Wochenende auf die Partie des Titelrivalen ausgerichtet, der in der Hinrunde teilweise um neun Punkte enteilt war. Torhüter Manuel Neuer wusste noch nicht, ob er sich das Spiel des Konkurrenten im Fernsehen anschauen werde. Matchwinner Leon Goretzka erkundigte sich bei den Journalisten erstmal, ob der BVB um 15.30 Uhr oder 18.30 Uhr antritt. "Wir haben heute nicht für Borussia Dortmund gespielt, damit die das Zittern bekommen", erklärte der Ex-Schalker.

Mit seinen zwei Toren vor der Pause, vielen Vorstößen und auch energischer Defensivarbeit glänzte Goretzka auf der Zehn. "Mit dieser Entscheidung haben wir alles richtig gemacht", erklärte Kovac stolz. "Wir haben mal was gefunden." Für Goretzka war es zudem der erste Doppelpack seiner Profikarriere. "Ich hab' mir vorgenommen, dass ich in der Rückrunde wieder ein bisschen torgefährlicher werde", sagte der 23-Jährige.

"Wir haben sogar noch mehrere Zehner. Das wisst ihr bloß nicht", sagte Thomas Müller, selbst ein Kandidat für die Königsposition, lachend. Der Kolumbianer James Rodríguez durfte beim Comeback nach längerer Knieverletzung erst in der 78. Minute auf den Platz. Der begnadete Techniker leitete mit einem Zuckerpass das Tor zum 3:1 durch Robert Lewandowskis elften Saisontreffer kurz vor Schluss ein.

Das war die Entscheidung, nachdem die Bayern nach dem Gegentor durch Hoffenheims Nationalspieler Nico Schulz doch etwas gewackelt hatten. Der eingewechselte Adam Szalai hatte beim Stand von 1:2 noch eine "tausendprozentige Chance" zum Ausgleich, wie TSG-Coach Julian Nagelsmann später ärgerlich sagte.

Sein Kollege Kovac hingegen durfte sich selbst auf die Schulter klopfen: "Die erste Halbzeit war meines Erachtens sensationell." Da hatte Hoffenheim überhaupt keinen Zugriff auf den Gegner und auf das Spiel bekommen. So ging die Serie von zehn Spielen ohne Niederlage bei den Hoffenheimern zu Ende. Und Nagelsmann ärgerte sich nach seinem verpatzten 100. Bundesligaspiel als Trainer über seine lange mutlosen Spieler: "Es war ein extremer Respekt zu spüren. Respekt ist im Leben grundsätzlich nicht schlecht. Aber das ging schon mehr in Richtung Angst."

Eurosport-Experte Matthias Sammer, zugleich externer Dortmund-Berater, hatte schon unmittelbar vor der Auftaktpartie gewarnt, dass die Münchner zur großen Aufholjagd blasen würden. "In meinen Augen sind sie wieder bärenstark. Sie wirken zwar noch nicht extrem attraktiv, aber insgesamt wieder deutlich geschlossener", sagte er. Das konnten der frühere Bayern-Sportchef, die 30 150 Besucher in Sinsheim und Fernsehzuschauer in mehr als 200 Ländern auch erleben.

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