Varel - Das hellblaue Papierchen mit dem roten eckigen Strich in der Mitte klebt fein säuberlich in dem Album. Es ist nur 10 mal 6,5 Zentimeter klein, aber eine Erinnerung an einen großen Triumph. „Final in Bern, Sonntag, 4. Juli 1954 (Stadion Wankdorf), Eingang Papiermühlenstr., Sektor 2“ steht darauf geschrieben. Es ist die Eintrittskarte für das „Wunder von Bern“.

Vor 60 Jahren gewann die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Schweiz 3:2 gegen Ungarn und wurde zum ersten Mal Weltmeister. Als Zuschauer mit dabei: Wiard Fischer aus Büppel. „Das war ein unvergessliches Erlebnis“, schwelgt der 80-Jährige immer noch in Erinnerungen. Damals arbeitete er als Praktikant in einer Textilmaschinenfabrik in Winterthur.

Nachdem er bereits die Vorrundenpartie der Deutschen gegen Ungarn (3:8) und das Spiel um Platz 3 zwischen Österreich und Uruguay (3:1) besucht hatte, entschied er sich, auch zum Endspiel zu fahren. „Es gab noch ein zurückgehaltenes Extra-Kontingent an Restkarten“, erinnert sich Wiard Fischer. „Als ich mit meinem VW-Käfer Baujahr ’48 vor das Stadion fuhr, kamen schon die Tickethändler angelaufen: von rechts die Schwarzmarkthändler, von links die offiziellen. Bei den echten haben ich dann die Karte gekauft“, berichtet der Vareler.

Nach dem Spiel gelang es Fischer, die Siegerehrung zu fotografieren. Dann ging es schnell auf den Parkplatz, wo er das Einsteigen der deutschen Spieler in den Mannschaftsbus fotografierte und sich von Hans Schäfer ein Autogramm geben ließ. Eines seiner Bild zeigt Bundestrainer Sepp Herberger, der den Fans aus dem offenen Bus-Fenster zuwinkt.

60 Jahre und sieben Tage später sitzt Wiard Fischer in seinem Wohnzimmer und blättert in dem Erinnerungsalbum. „Zweimal habe ich Horst Eckel noch wiedergetroffen – bei Veranstaltungen 2004 in Oldenburg und 2006 in Essen“, sagt Fischer. Eckel (82) und Schäfer (86) sind die einzigen aus der 1954er-Mannschaft, die noch leben.

Die aktuellen Spiele bei der WM in Brasilien verfolgt Fischer im Fernsehen. Auf das Finale Deutschland gegen Argentinien am Sonntag freut er sich sehr. Und wer holt den Titel? „Deutschland! Davon gehe ich nach dem 7:1 gegen Brasilien aus.“ Zudem erwartet er die Unterstützung der Brasilianer: „Ich habe nach dem Halbfinale mit meinem Freund in Brasilien telefoniert. Der hat mir gesagt: Bei uns ist es gar keine Frage: Deutschland holt den Titel. Erst recht, weil es gegen Brasiliens Erzfeind Argentinien geht.“

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)