Adrian Breitlauch kehrt zu seiner alten Liebe zurück – zum Basketball-Zweitligisten Eisbären Bremerhaven. Doch erstmal spielt der 28-Jährige Basketball in Ruanda. Wie es dazu kam, hat er dieser Redaktion im Interview erzählt.

Herr Breitlauch, während die Basketballer in Deutschland gerade die basketballfreie Zeit genießen und im Urlaub ausspannen, sind Sie gerade mitten in der Saison. Sie spielen aktuell in Ruanda. Wie kommt’s?

Adrian BreitlauchAufgrund einer – mittlerweile vollständig ausgeheilten – Herzmuskelentzündung infolge einer Corona-Impfung habe ich die Rückrunde der vergangenen Saison bei den Artland Dragons leider aussetzen müssen. Seit Mai bin ich wieder fit möchte gerne den Sommer nutzen, um wieder in Wettkampfform zu kommen. Dies ist in der höchsten Liga Ruandas auf einem guten Niveau möglich. Doch nicht nur der Basketball bringt mich nach Ruanda.

Was denn noch?

Zur Person

Adrian Breitlauch wurde am 14. September 1993 in Bremen geboren. Der heute 28-Jährige wuchs in Bremerhaven auf und spielte zunächst Fußball. Anschließend kam er zum Basketball und durchlief die Jugendabteilungen der BSG Bremerhaven – dem Ausbildungsverein der Eisbären. Von 2012 bis 2016 spielte Breitlauch bei den Itzehoe Eagles in der Regionalliga. 2016 wechselte er zum damaligen Bundesligisten aus Bremerhaven zurück. 2020 schloss sich der Shooting Guard den Artland Dragons aus Quakenbrück an, die wie die Eisbären in der 2. Liga spielen. In der kommenden Saison trägt er wieder das Trikot der Eisbären.

Eine Herzmuskelentzündung infolge einer Corona-Impfung tritt am häufigsten bei jungen Männern (18 bis 29 Jahre) auf, ist aber sehr selten (weniger als fünf Fälle pro 100 000 Impfungen). Eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) kommt laut der deutschen Herzstiftung nach einer Corona-Infektion merklich öfter vor als nach einer Impfung.

BreitlauchSeit zwei Jahren unterstütze ich ein vom Rotary Distrikt 1850 gestartetes Grundschulbauprojekt in Ruanda. Dies wird rund 450 Kindern im Süden des Landes den Schulbesuch ermöglichen. Die benötigte Spendensumme ist mittlerweile gesammelt, seit Mai läuft die Projektumsetzung.Ich begleite es vor Ort mit und arbeite für die Organisation, die es umsetzt.

Reden wir über das Sportliche: wie ist es, in Runda zu spielen?

BreitlauchEs ist definitiv eine Umstellung im Vergleich zum Profibasketball in Deutschland. Der Spielstil ist ein anderer, es wird weniger auf den taktischen Bereich, dafür mehr auf den konditionellen und individuellen Bereich wert gelegt.

Wie man auf Ihrem Instagram-Account sehen kann, werden einige Partien sogar im Freien ausgetragen. Wie ist das?

Breitlauch Ja, alle unsere Trainingseinheiten sowie die meisten unserer Spiele finden im Freien auf Streetballcourts statt. Gerade die sehr gut besuchten Spiele in den Abendstunden unter Flutlicht sorgen für eine besondere Atmosphäre. Die verbleibenden Spiele finden in einer knapp 10 000 Zuschauer fassenden und topmodernen Arena statt. Hier in Ruanda erhält man das komplette Paket. (lacht)

Wie ist das Niveau der Liga einzuschätzen?

BreitlauchDie Top-Mannschaften haben auf jeden Fall oberes ProA-Niveau (2. Bundesliga, Anm. d. Red.). Das Gefälle in der Liga ist allerdings sehr groß. Meine Mannschaft, der Tigers Basketball Club (BBC), ist auf einem sehr guten ProB-Niveau einzuordnen. Die unteren Teams der Liga (es gibt hier 14 Mannschaften) wären in Deutschland eher auf Regionalliganiveau.

Wie ist das Leben in der Hauptstadt Kigali?

BreitlauchEs lebt sich sehr gut und ich freue mich, hier vor Ort sein zu dürfen. Kigali ist eine sehr saubere, grüne sowie vor allem sichere Stadt und wunderschön auf mehreren Hügeln gelegen. Zudem ist das Klima aufgrund der Höhenlage sehr angenehm. Die Arbeit, das Schulprojekt sowie der Basketball sorgen allerdings für einen sehr vollen Wochenplan. Ich habe recht schnell gemerkt, dass ich nicht hier bin, um Urlaub zu machen. (lacht)

Wo wohnen Sie?

BreitlauchIch habe mir ein eigenes Ein-Zimmer-Appartment in einem Mehrparteienhaus gemietet. Es ist eine sehr internationale Unterkunft mit Mitbewohnern aus Frankreich, dem Chad, Guinea, Kenia, Kongo und weiteren Nationen.

Anfang September geht’s wieder nach Deutschland. Was waren die Gründe für den Wechsel von Quakenbrück zurück nach Bremerhaven?

BreitlauchIch habe mich bei den Dragons stehts sehr wohlgefühlt. Schlussendlich haben die sehr guten Gespräche mit Nils Ruttmann sowie Coach Steven Key den Ausschlag gegeben. Ich identifiziere mich mit den Zielen der Eisbären und habe das Gefühl, dass viele Dinge im Verein sowie im Umfeld in die richtige Richtung gehen. Davon ein Teil zu sein und meinen Heimatverein unterstützen zu können, hat schlussendlich den Ausschlag gegeben.

 Was sind Ihre Ziele mit den Eisbären in der kommenden Saison?

Breitlauch Wir wollen wieder attraktiven Basketball bieten. Kampf, Leidenschaft, Teamplay sind da die Stichpunkte, bei denen ich auch den Anspruch habe voranzugehen. Das ist ganz wichtig, denn eine der Hauptaufgaben ist es, die Fans für den Basketballsport in Bremerhaven zu begeistern. Sportlich sollte aus meiner Sicht eine Top-Sechs-Platzierung das Ziel sein. In den Playoffs ist dann alles möglich!

Niklas Benter
Niklas Benter Sportredaktion