AHLHORN/WILDESHAUSEN - Ein lauter Kampfschrei erfüllt die Turnhalle, als der 14-jährige Dimitrios Patriotis den Kampf mit seinem Gegner aufnimmt. Mit Schwung reißt sein linkes Bein hoch, um damit einen Tritt gegen den Kopfschutz oder die gepolsterte Weste seines Trainingspartners zu landen, der den Schlag mit erhobenen Fäusten abwehrt. Punkte im Wettkampf bringen in der koreanischen Kampfsportart Taekwondo nur Treffer oberhalb der Gürtellinie.
Dimitrios haben die Kampftechniken in asiatischen Filmen schon immer fasziniert und inzwischen beherrscht er selbst einige davon. Bei den Europameisterschaften im Taekwondo in Hannover hat er kürzlich die ersten Plätze in den beiden Disziplinen „Wettkampf“ und „Bewegungsform“ abgeräumt. Während die erste im Zweikampf ausgetragen wird, werden in der zweiten Disziplin bestimmte Bewegungsabläufe ohne Gegner präsentiert.
Auch sein 11-jähriger Freund Robin Oefler hat sich in seiner Altersgruppe den Europameistertitel im „Wettkampf“ geholt. „Ich war unheimlich aufgeregt“, erzählt der schüchterne Blondschopf über seine erste Teilnahme an einem internationalen Turnier, während er stolz seinen Pokal in den Händen hält. Beide Jungen aus Ahlhorn, die beim Verein Budo TKD Wildeshausen von Meister Huseyin Aydin trainiert werden, haben sich damit für die Weltmeisterschaften qualifiziert.
Zu Beginn des regelmäßigen Trainings stehen die Jungen in ihren weißen Trainingsanzügen in einer Gruppe von etwa 30 Kindern und Erwachsenen, machen Gymnastik, Dehnübungen und Liegestütze, bevor Bewegungsformen und Kampftechniken geprobt werden.
Robin hat schon die ein oder andere Sportart ausprobiert und spielt auch gern mit seinen Freunden Fußball. „Am meisten Spaß macht mir aber Taekwondo. Außerdem bin ich dadurch viel beweglicher geworden“, sagt er begeistert. Früher war er im Schulsport nicht so gut, inzwischen hat er hier eine „Eins“. Auch seine drei jüngeren Geschwister haben Taekwondo für sich entdeckt. „Wenn der große Bruder das macht, motiviert das natürlich auch die anderen“, erklärt seine stolze Mutter. Sie schätzt den Sport, denn „die Kinder sind disziplinierter geworden und sie lernen hier, Konfrontationen aus dem Weg zu gehen“.
Damit liegt sie auf einer Linie mit Trainer Aydin. „Körper und Geist müssen fit sein“, ist seine Devise, „dafür ist Disziplin wichtig.“ Als Voraussetzung für den Kampfsport legt er viel Wert auf Gymnastik, um die Körperbeherrschung der Kinder zu verbessern. Außerdem soll ihnen Taekwondo Erfolgserlebnisse verschaffen und damit ihr Selbstbewusstsein stärken.
Katharina Bitter aus Wildeshausen ist erst ein Jahr dabei und hat mit dem Gelben Gürtel die zweite von zehn möglichen Stufen erklommen. „Mir ist am wichtigsten, dass ich mich fit halte und mich verteidigen kann“, sagt die 15-Jährige. Dimitrios hingegen ist nur noch zwei Prüfungen vom Schwarzen Gürtel entfernt. Zum Ziel hat er sich gesetzt, 2012 bei Olympia anzutreten. „Aber dafür muss ich noch viel trainieren“, sagt er, zurrt seine Schutzkleidung fest und sieht sich nach einem Partner um.
