Am Freitagabend fand in der Festhalle „Am Steinacker“ der erste Büttenabend statt. Besonders angespannt dürfte das Büttenabend-Team gewesen sein, das das Programm zusammengestellt hatte. Wie in jedem Jahr stellt sich die Frage: Kommt dieses Programm beim Publikum an? Das Büttenabend-Team besteht zurzeit aus drei Personen, und eine davon ist Claudia Thomann (45).
Seit 15 Jahren macht sie diesen „Job“ hinter den Kulissen. Doch sie kennt auch die andere Seite, stand viele Jahre selbst auf der Bühne. Mit elf Jahren tanzte Claudia in der gerade gegründeten kleinen Roten Kindergarde. 1984 wechselte sie in die Rot-Blaue Prinzengarde. Diese Garde ist schon so etwas wie Familientradition, ihre Mutter Anne Schopp tanzte hier ebenso wie ihre ältere Schwester Marion.
Die Trainer waren von ihren tänzerischen Fähigkeiten begeistert und machten sie zu einer der beiden Funkenmariechen. Insgesamt zehn Jahre tanzte Claudia in vorderster Reihe, und nicht selten war die Rot-Blaue Prinzengarde der Höhepunkt auf den Büttenabenden.
1986 wurde sie gefragt, ob sie Ehrendame werden wolle. Claudia Thomann willigte ein, und bei der Zusammenführung mit dem Prinzenpaar kurz vor dem 11. November stellte sich heraus, dass ihre Arbeitskollegin Dagmar Lüdeke neue Prinzessin sein würde. Beide hatten sich nicht getraut, etwas zu verraten: „Zusammen mit Dagmar, Prinz Udo Einemann und den anderen drei Ehrendamen hatten wir viel Spaß.“ Alles hat sie im Fasching erreicht, nur sie selbst ist noch keine Faschingsprinzessin geworden.
Sport treiben und in geselliger Runde Spaß haben, das war schon als Kind bei ihr angesagt. „Ich habe meinen Eltern manche schlaflose Nacht bereitet, wenn ich in ihren Augen nicht früh genug nach Hause gekommen bin“, schmunzelt sie. Zunächst gehörten Turnen und Schwimmen zu ihren bevorzugten Sportarten. Später waren es Handball und Faustball. Im Faustballteam von Lemwerder spielte sie sogar einige Jahre in der 2. Bundesliga.
Ihr privates Glück hat sie dem Faustball zu verdanken: 1993 fand in Syke ein Turnier statt. Jens Thomann, der ebenfalls mit seiner Mannschaft dabei war, hatte an diesem Tag nur Augen für eine hübsche Spielerin aus Ganderkesee. „Mir ist er nicht aufgefallen“, gesteht die 45-Jährige. Das sollte sich ändern.
Zwei Jahre später wurde geheiratet, und seit 1999 wohnen sie in ihrem Eigenheim in direkter Nachbarschaft ihrer Eltern und ihrer Schwester. Die Kinder Pia (11) und Fynn (8) setzen inzwischen die Familientradition beim Fasching fort. Pia tanzt in der kleinen Roten Kindergarde und Fynn bei den „Bobbies“.
Während ihrer Schulzeit hatte sie einige Jahre einen heute berühmten Klassenkameraden: Yared Dibaba. Wie Yared mir einmal verriet, hatte er damals ein Auge auf Claudia geworfen. „Claudia wollte aber nichts von mir wissen“, so Yared.
Nach ihrem Realschulabschluss und einem Jahr Höhere Handelsschule war sie sich über ihre beruflichen Perspektiven nicht klar: „Viele Sachen haben mir gefallen, aber 1986 waren die Lehrstellen sehr knapp.“ Mit etwas Glück bekam sie als Arzthelferin in der Praxis von Dr. Helmut Schühle einen Ausbildungsplatz und erinnert sich noch genau an ihre erste Blutabnahme – bei ihrem Chef. „Bevor ich an die Patienten gelassen wurde, hat er sich persönlich geopfert.“ 1989 konnte sie ihre Ausbildung mit Auszeichnung beenden.
Claudia Thomann arbeitete bis zur Schwangerschaft mit Tochter Pia in dieser Praxis (2002): „Es war eine tolle Zeit.“ Heute ist sie in der Praxis Dr. Brockmeyer/Dr. Heidemann beschäftigt. „Wenn ich heute wieder vor der Berufswahl stehen würde, würde ich mich vielleicht für Lehrerin oder Erzieherin entscheiden. Die Arbeit mit Kindern macht mir einfach viel Spaß“, sagt sie.
Beim Verabschieden liegt mir noch eine Frage am Herzen: 15 Jahre Büttenabend-Team, wie lange macht sie das noch? „Schau’n wir mal“, sagt sie und lächelt.
Claudia Thomann, die seit inzwischen eineinhalb Jahrzehnten hinter den Kulissen im Büttenabend-Team des Ganderkeseer Faschings mitwirkt
