Edewecht - Für Jannik Wemken wird der 1. August 2013 ein besonderer Tag sein: Der Jugendliche, der die Edewechter Astrid-Lindgren-Schule (ALS) besucht, wird dann 18 Jahre alt. Diesen besonderen Geburtstag wird Jannik zudem in einer besonderen Umgebung feiern.
Zusammen mit dem 17-jährigen Rojhat Celik, der ebenfalls die ALS in Edewecht besucht, nimmt Jannik vom 28. Juli bis 2. August an einem internationalen Jugend-Camp im schweizerischen Basel teil. Dieses Camp ist zugleich der dritte und letzte Abschnitt einer besonderen Ausbildung, die die beiden Jugendlichen außerschulisch absolvieren. Sie werden zu „special young coaches“ ausgebildet, zu besonderen – integrativen – Nachwuchstrainern im Bereich Fußball. Während des dreiteiligen Lehrgangs erwerben die Jugendlichen Grundlagen, wie man Kindern mit und ohne Handicaps das Fußballspielen beibringt.
Möglich wurde die Ausbildung durch die enge Beziehung, die die Edewechter Förderschule mit Werder Bremen pflegt. Die ALS ist schon seit vielen Jahren Partnerschule des Fußball-Bundesligisten, der sich im Bereich des Behindertensports stark engagiert. Engen Kontakt halten dabei ALS-Lehrer Ronald Kühn und Werder-Fußballtrainer Michael Arends von Werders Sozial-Management.
Bessere Integration
„Werder Bremen setzt sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen besser in die Gesellschaft integriert werden“, erläutert Michael Arends. Zusammen mit anderen gleich gesinnten Vereinen habe man deshalb die „Football Clubs Social Alliance“ gegründet. Drei dieser dort organisierten Vereine – Bayer 04 Leverkusen, der FC Basel und Werder – würden in diesem Jahr die Ausbildung von Nachwuchstrainern im Behindertensport anbieten.
Zwei Ausbildungsteile haben Jannik und Rojhat bereits absolviert. Der erste Workshop fand in Leverkusen statt. Unterrichtet wurden die zwölf Teilnehmer, zu denen auch die beiden Edewechter ALS-Schüler gehörten, von Sonderpädagogen, Mitarbeitern der Sozialabteilungen der Clubs und Fußballtrainern. Vermittelt wurde, wie man ein Kindertraining gestaltet. In „Young Coach Tandems“ leiteten anschließend je ein Jugendlicher mit Handicap und ein erwachsener Teilnehmer ohne Behinderung eine Trainingseinheit. Dabei bildeten auch Jannik und Michael Arends ein Team.
„Das Beste an Leverkusen war jedoch, dass wir uns im Bayer-Stadion das Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen ansehen konnten“, berichtet Jannik, der im VfL Edewecht und bei der A-Jugend des VfL Oldenburg Fußball spielte. Diese Partie und vor allen Dingen die Bremer Fans hatten den 17-Jährigen derart begeistert, dass er seitdem nicht mehr für seinen früheren Lieblingsverein Bayern München schwärmt, sondern jetzt für Werder.
Spontaner Einsatz
„Ich bin und bleibe Bayern-Fan“, sagt hingegen Rojhat, der nicht in einem Verein, sondern auf der Straße mit Freunden Fußball spielt. Kürzlich bei der ,Werder-Ballschule‘, die vor den Ferien anlässlich der Projektwoche an der ALS stattfand, hatte Rojhat spontan gleich sein erlerntes Wissen in die Tat umgesetzt und zwei Gruppen von Grundschülern in Fußballteams eingeteilt.
Der zweite Ausbildungsteil wurde in Bremen absolviert. Dabei ging es, so Werder Fußballtrainer Arends, um die Planung eines Schulturniers um den Werder-Cup. Zum Abschluss der Ausbildung findet der dritte Lehrgang vom 28. Juli bis 2. August beim FC Basel statt, daran werden nicht nur Jannik und Rojhat teilnehmen, sondern auch noch andere ALS-Schüler.
Möglicherweise können Jannik und Rojhat ihr Trainerwissen schon bald anwenden. „Es gibt Überlegungen“, so verrät ALS-Lehrer Ronald Kühn, dass der VfL Edewecht eine Behindertensportgruppe im Bereich Fußball eröffnet, die die beiden Jugendlichen leiten könnten.
