Oldenburg - Nachdem der VfB Oldenburg gerade einmal um einen Punkt in der Zweitliga-Saison 1991/92 den Aufstieg in die 1. Bundesliga verpasst hatte, waren damals verschiedene VfB-Verantwortliche wie auch viele Fans der festen Überzeugung, dass der knapp verpasste Sprung ins Oberhaus in der Saison 1992/93 nachgeholt wird. Doch daraus wurde nichts, stattdessen gab es vor 20 Jahren mit dem Zweitliga-Abstieg den bitteren Absturz.

Das Übel begann bereits in der Saisonvorbereitung im Sommer 1992. Trainer Wolfgang Sidka und Manager Rudi Assauer, die zuvor bei Neuverpflichtungen eine überaus glückliche Hand bewiesen hatten, konnten sich diesmal nicht einigen. Während der eine auf Spieler mit Perspektiven setzte, wollte der andere das Vorhaben mit gestandenen, erfahrenen Akteuren angehen. „Es gab zwischen Rudi Assauer und Wolfgang Sidka gravierende Meinungsverschiedenheiten. Jeder hatte so seine eigene Linie“, erinnert sich der damalige VfB-Präsident Klaus Berster an die Querelen der beiden bockigen Alphatiere: „Es war kein Miteinander, sondern teilweise ein Gegeneinander. Hinzu kam, dass Sidka ständig der Meinung war, Assauer würde ihn aushorchen, ihn hintergehen, ihn ausspielen. Was letztlich in der Aussage gipfelte: ,Der will ja nur meinen Trainerjob’.“

Nachdem Berster bereits beim ersten Heimspiel gegen den SC Freiburg (2:2) arge Unstimmigkeiten zwischen Trainer und Manager festgestellt hatte, rief er seine damaligen Vorstandskollegen Peter Schrader, Klaus Baumgart und Jürgen Halle an. „Ich sagte zu ihnen: ,Bei uns brennt was.’ Worauf diese bereits meinen Rücktritt befürchteten. Ich habe dann erklärt, dass wir uns entweder von Assauer oder Sidka trennen müssen. Tags darauf haben wir uns getroffen, es aber nicht fertig gebracht, uns von einem der beiden zu trennen. Das ist aus meiner heutigen Sicht der Anfang vom Ende gewesen.“

Nach dem enttäuschenden Abschneiden im weiteren Saisonverlauf wurden die Stimmen, die eine Entlassung von Sidka forderten, immer lauter. Doch die VfB-Verantwortlichen zauderten. Viele Fans forderten die Entlassung zur Winterpause, um so einem neuen Trainer die notwendige Zeit zur Vorbereitung der Mannschaft auf die Fortsetzung der Saison zu geben.

Doch erst nach der 3:6-Pleite nach der Winterpause beim FC Carl Zeiss Jena kam es zur vorzeitigen Entlassung von Sidka. „Dann kam Werner Fuchs, ein hervorragender Trainer, der aber leider viel zu früh verstorben ist. Er konnte uns jedoch trotz guter Arbeit nicht die 2. Bundesliga erhalten“, erzählt Berster: „Die Sache war einfach viel zu verfahren. Ich behaupte heute noch: Wir hatten drei Gruppierungen in der Mannschaft. Das waren einmal die Spieler aus der ehemaligen DDR, dann die Bremer und zum Dritten die Oldenburger Gruppe.“

Der Abstieg sei „mehr als ein Tiefschlag“ gewesen und habe dann auch dazu geführt, dass Berster, Schrader, Baumgart und Halle aus dem Vorstand zurückgetreten sind. „Mit dem Endergebnis, dass sieben Jahre später ein Insolvenzantrag gestellt werden musste“, sagt Berster und fügt hinzu: „Glücklicherweise konnte das Verfahren aber erfolgreich abgeschlossen und der VfB erhalten bleiben.“