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Corona-Lockdown im Nordwesten Neustart des Amateurfußballs nicht in Sicht

Im Nordwesten - Durch die Verlängerung der Corona-Schutzmaßnahmen der Bundesregierung steht auch die Weiterführung der Saison im Amateur-Fußball auf der Kippe. Bekanntlich werden die bestehenden Maßnahmen verschärft und bis Ende Januar ausgeweitet.

Was bedeutet das für den Spielbetrieb in den Amateurligen? Wenn man sich die Tabellen der einzelnen Ligen ansieht, fällt sofort auf, dass trotz Teilung in zwei Staffeln die Tabellen noch reichlich schief sind. So haben zum Beispiel in der Landesliga Weser-Ems Staffel Nord der VfL Wildeshausen, Germania Leer und Tura 07 Westrhauderfehn sechs von acht möglichen Vorrundenspielen absolviert. Ganz anders die Situation beim SV Bevern: Das Team von Trainer Olaf Blancke hat lediglich eine Partie gespielt, am 24. Oktober gab es einen 2:0-Sieg gegen Grün-Weiß Firrel. Ähnlich ist es in der Bezirksliga IV, wo Altenoythe und Lastrup nur ein Spiel ausgetragen haben, Spitzenreiter Holdorf aber bereits sechs. Diese Liga ist zudem nicht geteilt und spielt mit 16 Teams. Hier ist eine Fortführung mit dem ursprünglich angedachten Spielplan illusorisch.

Wann kann wieder gespielt werden?

Infolge dessen wird es Probleme mit dem Zeitplan geben. Nach dem ersten Lockdown im März 2020 wurden die Maßnahmen zur Weiterführung eines Spielbetriebs verständlicher Weise nur nach und nach gelockert. Nach Öffnung der Geschäfte dauerte es noch rund drei Wochen, ehe auch der Mannschaftssport wieder aufgenommen werden konnte. Vom Start des Trainings in Kleingruppen mit fünf Personen bis zur Zulassung von Testspielen mit höchstens 30 Spielern dauerte es fast sechs Wochen. Geht man jetzt von einem Ende des Lockdowns zum 30. Januar aus und rechnet drei Wochen hinzu, wäre ein erstes Training in Kleingruppen um den 20. Februar denkbar. Trainingsarbeit mit bis zu 30 Personen und Testspiele ohne Zuschauer könnten dann um den 28. März stattfinden. Ein Ligastart wäre dann realistisch für den 10. April ins Auge zu fassen.

Ob das Rückspiel im Derby zwischen Ost- und Westrhauderfehn stattfinden kann, steht in den Sternen.

Ob das Rückspiel im Derby zwischen Ost- und Westrhauderfehn stattfinden kann, steht in den Sternen.

Dieser Zeitrahmen ist mit Rücksicht auf die Aktiven auch dringend notwendig, wie Michael Scholz vom Oldenburger Kreisklassisten TuS Bloherfelde findet: „Vier Wochen Vorlauf für Trainingseinheiten und Testspiele halte ich für sinnvoll. Die Verletzungsgefahr bei einem „Kaltstart“ wäre zu groß.“ Er denkt nicht, dass der Ball viel früher rollen wird. „Vor Ende März, Anfang April rechne ich nicht damit, dass der Mannschaftssport wieder unter normalen Bedingungen aufgenommen werden kann.“ Genau so sieht es Servet Zeyrek, Trainer des Kreisligisten Ahlhorner SV. „Falls es weitergehen sollte, brauchen wir Minimum vier Wochen, um einigermaßen im Saft zu stehen.“ Ähnlich äußert sich Jörg Romanowski. „Momentan sieht es nicht nach einem Neustart vor Ende März aus“, sagt der Trainer des Ostfrieslandligisten TSV Ostrhauderfehn. „Der verlängerte Lockdown ist ja nur ein Zwischenschritt. Um nach einer so langen Pause wieder in einen Rhythmus zu kommen braucht man mindestens sechs Wochen, um die Fitness der Spieler so zu erlangen, dass das Verletzungsrisiko reduziert ist.“ Rolf Oppenländer vom Landesligisten WSC Frisia Wilhelmshaven sieht den fehlenden Rhythmus ebenfalls als eins der Hauptprobleme an. „Bevor wir auch nur ansatzweise an Fußball denken können - wenn es denn beim 31. Januar bleiben sollte - dauert es sicherlich noch bis Ende Februar. Dann eine Vorbereitung zu starten ist eine Sache, einen Rhythmus zu finden funktioniert gar nicht. Um in einen Rhythmus zu kommen, braucht man Spiele, Spiele, Spiele - und die sind nicht gegeben.“ Brakes Coach Maik Stolzenberger denkt, dass es sogar noch länger dauern könnte, bis das Training wieder aufgenommen werden kann. „Ich könnte mir vorstellen, dass sich der Lockdown noch bis in den Februar ziehen wird. Daher glaube ich auch nicht, dass wir Ende März wieder starten können. Der erste Lockdown hat gezeigt, wie sich alles hingezogen hat.“

Spitzenreiter Frisia Wilhelmshaven (hier in der Vorbereitung gegen den VfL Oldenburg) hat in der Landesliga vier Spiele absolviert, Bevern erst eins.

Spitzenreiter Frisia Wilhelmshaven (hier in der Vorbereitung gegen den VfL Oldenburg) hat in der Landesliga vier Spiele absolviert, Bevern erst eins.

Auch Büppels Trainer Timo Lüdtke rechnet nicht mit einem Wiederbeginn vor Ende März. „Normalerweise wollten wir Mitte Januar wieder auf den Platz, das ist ja nun hinfällig. Wir lassen die Jungs vollkommen in Ruhe, Eigeninitiative ist weiter angesagt. Mit einem Start vor Ende März rechne ich nicht und alles andere wäre auch nicht vertretbar.“ Auch er sieht die Notwendigkeit einer längeren Vorbereitung: „Mindestens vier bis sechs Wochen Vorbereitung benötigt man und ob man in der Zeit überhaupt einen Rhythmus herstellen kann, ist dann auch noch fraglich.“ Auch in Ocholt hat man die Hoffnung auf einen schnelle Wiederaufnahme des Spielbetriebs verworfen. „Wir wünschen uns glaube ich alle, dass wir so schnell wie möglich wieder auf den Platz dürfen. Das hängt aber von vielen Faktoren ab, unter anderem an dem Impfverfahren und wie sich das einspielt. Viel kann man sonst nicht sagen, also: Abwarten“ meint der Trainer des Ammerländer Teams, Michael Meiners. „Ich denke, drei bis vier Wochen Vorbereitung sind zwingend erforderlich. Wenn die gegeben sind, könnte ich mir vorstellen, auch wieder Spiele im Wettkampfmodus zu starten.“ Aber nicht nur im Amateurbereich, auch in der Regionalliga blickt man mit Interesse auf die Situation. „Zunächst einmal erhoffe ich mir eine schnelle und deutliche Verringerung der Infektions- und Todeszahlen bei der aktuellen Pandemie“, antwortet Jeddelohs sportlicher Leiter Ansgar Schnabel auf unsere Frage. „Wenn wir diese wieder erreicht haben, würde ich mir wünschen, dass wir ähnlich wie nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020, so schnell wie möglich zumindest wieder in kleinen Gruppen trainieren dürfen. Wann das der Fall sein wird, muss man abwarten. Wenn alles optimal läuft, könnte ich mir einen Punktspielstart Ende März vorstellen. Von einem früheren Zeitpunkt gehe ich persönlich nicht aus.“ Schnabel gibt zu bedenken, dass außerdem die Belastung bei einem Regionalligisten eine andere ist als in der Kreiskasse. „Unser letztes Punktspiel war Mitte Oktober 2020. Die Pause für die Mannschaft wird wohl am Ende vier Monate oder länger sein. „Um die nötige fußballspezifische Fitness zu erlangen und dann wieder in einen normalen Rhythmus zu kommen, bräuchte man länger als bei einer normalen Vorbereitung und somit sechs bis acht Wochen“ erläutert er. „Diese Zeit werden wir nicht haben, weshalb die Trainingssteuerung eine spezielle sein wird und wir sehr eng mit unserer medizinischen Abteilung zusammenarbeiten werden.“ Wohl dem, der eine so gute Versorgung des spielenden Personals hat, gerade die kleinen Vereine in den unteren Ligen können natürlich nicht auf einen ganzen Stab von Physiotherapeuten zurückgreifen. Hier muss man Ausfälle durch die Breite im Kader auffangen, was bei vielen Teams aber kaum möglich sein wird. Auch dies müsste der NFV bei einer Weiterführung der Saison berücksichtigen.

Wie geht es mit der Saison weiter?

Schon etwas weiter blickt Stephan Borchardt vom SV Viktoria Elisabethfehn, Trainer des Tabellenführers in der 1. Kreisklasse Cloppenburg. „Ich gehe nicht von einem Start vor Ende März aus. Das wäre zwar schön, aber wird nicht realisierbar sein. Ich gehe davon aus, dass die Saison dieses Mal abgebrochen wird und wir dann hoffentlich ab Sommer wieder Fußball spielen können.“

Dadurch stellt sich automatisch die Frage, wie die unterbrochene Saison zu Ende geführt werden kann. Hier sind sich die befragten Trainer uneinig. Während Servet Zeyrek vorschlägt, die Saison-Vorrunde als Maßstab zu nehmen, könnte sich Michael Scholz vorstellen, erneut ohne Absteiger zu werten. Dies ist allerdings hochproblematisch, da die Ligen dann erneut aufgeblasen werden und dass zurückführen auf die Sollstärke dann mehrere Jahre dauern würde, wenn man nicht auf einen Schlag acht oder mehr Absteiger haben will. Er plädiert zudem dafür, die Pokalrunde abzubrechen. Hier könnte man aber auf ein Tagesturnier per Elfmeterschießen ausweichen, wie es in der letzten Saison in Ostfriesland schon mit großem Erfolg praktiziert wurde. Auch die anderen Befragten haben sich natürlich Gedanken über eine Fortführung der Saison gemacht. „Was die Beendigung der Saison angeht, hege ich Zweifel daran, dass sie auf fairem und regulärem Weg abgeschlossen werden kann. Corona wird uns möglicherweise noch bis Juni beschäftigen. Wettkampfbedingungen sind aus meiner Sicht fast aussichtslos, aber das ist nur meine Sicht“, sagt Rolf Oppenländer. Büppels Coach Lüdtke spricht sich sogar für eine Annullierung der Saison aus. „Was die Beendigung der Saison angeht, denke ich, es wäre das Beste die Saison zu annullieren. Ein normaler Spielbetrieb ist nicht gegeben und anders als beim letzten Lockdown sind jetzt viel weniger Spiele absolviert worden, um eine mögliche Quotienten-Regelung anzuwenden. Man sollte jetzt nicht versuchen, mit aller Macht die Saison durchzuziehen. Vielmehr sollte man den Mannschaften Zeit lassen, wenn man wieder auf den Platz darf, sich vernünftig wieder vorzubereiten. Dann könnte man Mitte des Jahres, wenn es erlaubt ist, mit der neuen Saison starten“, regt er an.

Die Gesundheit steht an erster Stelle

„Wenn ich mir die anderen Ligen so anschaue, stellt sich mir die Frage, wie will man die ganzen Nachholspiele ansetzen“ fragt sich Brakes Coach Stolzenberger. „Ich bin gespannt, wie der NFV entscheiden wird. An erster Stelle steht aber immer die Gesundheit, auch wenn wir alle so gerne wieder unserer Lieblingsbeschäftigung nachgehen wollen“, mahnt der Trainer des Wesermarsch-Bezirksligisten. „Die Saison kann nicht wie geplant zu Ende gespielt werden“, ist sich Ocholts Trainer Meiners sicher. „Die Rückrunde sollte - wenn möglich - schon noch gespielt werden“, plädiert er für etwas Normalität. Die Meister- und Abstiegsrunde sollten seiner Meinung nach aber wegfallen. „Aufsteiger und Absteiger werden nach Tabellenstand ermittelt, doch steht selbstverständlich an erster Stelle die Gesundheit. „Fußball ist in dem Fall zweitrangig. Wir alle wollen auf den Platz, doch erst heißt es abwarten.“ Für Ansgar Schnabel spielt auch der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle bei der Frage nach der Saisonfortführung: „Wir brauchen aus wirtschaftlicher Sicht unbedingt wieder Spiele vor Zuschauern. Ich hoffe, dass wir davon möglichst Ende März und dann im April und Mai noch jede Menge sehen werden. Ein erneuter Abbruch ohne staatliche Hilfen könnte für viele Vereine in der Regionalliga gravierende Folgen mit sich bringen“, befürchtet er. Gerade die Vereine in der Regionalliga sind auf die Zuschauer- und Werbeeinnahmen angewiesen, um ihr spielendes Personal zu finanzieren. Reenald Koch, Präsident von Eintracht Norderstedt, hat erst unlängst in einem Interview erklärt, dass er mit einem Einnahmeverlust im Bereich von 150.000 Euro kalkuliert. „Wenn wir die 1. DFB-Pokal Runde nicht erreicht hätten, hätte es Einschränkungen geben müssen“, sagte Koch im Dezember bei einem Interview mit dem TV-Sender „NOA4“.

Das Schlusswort hat Ahlhorns Trainer Zeyrek, der nur einen Wunsch hat: „Ich hoffe das wir schnell mit der Geschichte durch sind, denn es geht nichts über Gesundheit!“

Andreas Kempe
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