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NWZonline.de Sport

Exoten auf den Brettern der Ski-Welt

14.02.2019

Are Jean-Pierre Roy ist schon ein alter Hase. Und er versteht etwas von Vermarktung in eigener Sache. Roy, 55 Jahre alt, dreifacher Großvater, Haitianer mit Wohnsitz in Paris und seit den Weltmeisterschaften vor acht Jahren in Garmisch-Partenkirchen mehr oder weniger ernst zu nehmender Skirennläufer, hält sich auch in Are dort auf, wo ihm Aufmerksamkeit gewiss ist. Geduldig wartete er etwa am Montag auf das Ende einer Pressekonferenz mit Felix Neureuther, um ein Foto mit ihm zu erhaschen.

Publicity ist wichtig für Roy, den freilich hehre Motive antreiben. Genau genommen war es das fürchterliche Erdbeben 2010, das ihn dazu veranlasste, den Blick auf seine geschundene Heimat zu lenken. Und ein Haitianer im Schnee ist allemal dazu angetan, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Roy will Geld sammeln, um beim Wiederaufbau zu helfen, zur gleichen Zeit sucht der Mann, im Hauptberuf IT-Spezialist, nach sportlichen Talenten, die das Land repräsentieren.

Neben Roy gibt es längst zahlreiche Sportler, die, nun ja, nicht gerade Wintersportnationen vertreten. 75 Nationen sind bei dieser WM vertreten, in den Meldelisten finden sich Länderkürzel wie BRA (Brasilien), GHA (Ghana), JOR (Jordanien), PUR (Puerto Rico) – oder auch TON (Tonga). Tonga erlangte 2018 bei Winter-Olympia in Pyeongchang Aufmerksamkeit: durch Pita Taufatofua, genau, den Mann mit dem entblößten Oberkörper bei Eiseskälte.

In Are ist das Königreich im Pazifik, sportlich eine Großmacht im Rugby, durch Kasete Naufahu Skeen vertreten. Er ist 36 Jahre alt, wurde in London geboren, und hat es schon mal geschafft, dass er den medienwirksamen Spitznamen „Tomba aus Tonga“ bekam (oder erfand). Erwartungsgemäß hat er mit dem großen Alberto Tomba nicht viel gemein, schon gleich gar nicht die Behandlung durch die FIS. Skeen wohnt in Duved, also etwa sieben Kilometer von Are entfernt, und er muss mit dem Bus fahren.

Der Ski-Weltverband findet die Teilnahme der Außenseiter prima für die Optik: Hurra, wieder ein Teilnehmerrekord, seht her, wohin wir den Skisport schon exportiert haben! Einmal vor Ort, bleiben die Exoten dann lästige Statisten. Als vergangene Woche Sportler aus Monaco, Litauen und Kosovo klagten, ihre Ausrüstung sei noch nicht da, der WM-Zeitplan möge bitte angepasst werden, sagte FIS-Renndirektor Markus Waldner: „Sorry, ihr seid keine Medaillenkandidaten.“ Pech.

Sportlern wie Skeen und Roy ist zudem gemein, dass sie erst mal in die Qualifikation müssen. Gut für einen wie Skeen: Die Qualifikation findet in Duved statt.

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