Hoyerswege - Ob er dieses Abenteuer noch einmal wagen würde? Timm Schwager zögerte. „Ich würde nicht pauschal Nein sagen.“ Immerhin hat der 30-Jährige hinter sich, „was ich noch nie erlebt habe und was die meisten wohl nie erleben werden“: Zusammen mit Annika Poetzsch (27) und Sören Scheer (30) brachte er auf dem Landweg binnen 16 Tagen einen gespendeten Krankenwagen voller Hilfsgüter von Hoyerswege zum Gesundheitszentrum des Vereins „Riverboat-Doctors-International“ (RDI) im westafrikanischen Gambia. Am Sonntag kam das Trio auf dem Luftweg zurück.

„Wir wussten, dass es kompliziert sein kann, aber damit hatten wir nicht gerechnet“, beschrieb Schwager die erste Hürde, die sich bereits in Tanger (Marokko) auftat. Die Unwägbarkeiten: Erstens war Ramadan, Fastenmonat für Muslime. Da galten verkürzte Arbeitszeiten, auch für Zöllner. Zweitens: die Arbeitseinteilung. Schwager: „Da ist für jeden Arbeitsschritt eine Person eingeteilt.“ Wenn die fehle, laufe nichts. Weil obendrein keine Kopien über den Hintergrund des Transports akzeptiert wurden, waren die Folgen einschneidend: „fast fünf Tage Warten.“

Und die Menschen? Fast überall sei ihnen große Freundlichkeit begegnet, sagte Schwager. „Die Leute wollten uns helfen, konnten es aber nicht.“

Fehlendes Bakschisch, also Schmiergeld, sei nicht die Ursache für die Verzögerung in Rabat gewesen, ist der Betreiber eines Online-Shops überzeugt. Das sei erst weiter im Süden ein Thema geworden. Ein Kontrolleur im Senegal habe fürs Warten vor der Grenze eine Parkgebühr erhoben, in Gambia „gab’s keine Quittungen mehr“. Schmiergeld sei da üblich, um Vorgänge zu beschleunigen.

Als sehr unterschiedlich schilderte der 30-Jährige den Zustand der Straßen. In Marokko seien die „top“ gewesen, weiter nach Süden „wurden die Huckelpisten mehr“. Unwirtlich der Übergang zu Mauretanien, wo Gelände vermint war und Autowracks die Piste säumten.

Als unvergesslich beschrieb der Hoyersweger den Empfang im Zielort Buniadu. Etliche Kinder seien neben dem mit Martinshorn einfahrenden Krankenwagen hergelaufen, wollten die Hände der drei Transporteure berühren.

Armut sei in Gambia ein ständiger Begleiter. Fast alle Gebrauchsartikel seien erkennbar aus zweiter Hand. Bei Autos seien die Türen festgebunden, Tanknadeln würden von links nach rechts hüpfen, die Reifen seien „so was von blank“. Allerdings: „Die Menschen sind arm, ja, aber nicht unglücklich.“

Bei der Übergabe der rollenden Spende sei große Dankbarkeit spürbar gewesen – was wohl auch ein Stück weit zu einem Fazit von Schwager beigetragen hat: „Es hat schon Spaß gemacht.“