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Aktualisiert vor 7 Minuten.

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NWZonline.de Sport

Deutscher Trainer in Syrien: Auferstanden aus Ruinen

07.01.2019

Abu Dhabi (dpa) - Das Stadion im kleinen Emirat Schardscha tobt, als die syrische Nationalhymne ertönt. Eine riesige Fahne wird auf der Tribüne ausgebreitet. Die Euphorie beim ersten Gruppenspiel der syrischen Mannschaft bei der Asienmeisterschaft ist riesig.

Zwar endet die Partie am Sonntag gegen Palästina nur mit einem 0:0-Unentschieden. Für einige Anhänger geht es aber ohnehin um mehr als Sport: Die Mannschaft soll die Stärke und Einheit Syriens zeigen.

Für den 70-jährigen deutschen Trainer Bernd Stange ist das Team vielleicht sogar die letzte Chance auf einen sportlichen Erfolg. Im letzten Jahr war die Mannschaft aus dem Bürgerkriegsland nur knapp in der WM-Qualifikation gescheitert. Bei dem Turnier in den Emiraten aber könnten die Spieler für eine Überraschung sorgen.

Stange hat die syrische Fußballmannschaft erst vor knapp zehn Monaten übernommen, um sie für die Asienmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) fit zu machen. Die Bedingungen waren dabei alles andere als optimal: Wegen des Krieges finden in Syrien selbst keine Heimspiele statt, die meisten Spieler verdienen ihr Geld im Ausland. Mit 27 Jahren im Durchschnitt zählt die Mannschaft zu den älteren des Wettbewerbs. Zudem hat Syrien bislang noch nie die Gruppenphase des Asien-Cups überstanden.

"Es ist unser Ziel, das zu schaffen. Danach liegt für uns das sportliche Glück in Gottes Hand", sagte Stange vor dem Asien-Cup der "Westdeutschen Allgemeinen-Zeitung". Am Donnerstag wartet im zweiten Gruppenspiel mit Jordanien die Mannschaft, die ihr Auftaktspiel gegen die vermeintlich stärkste Mannschaft der Gruppe, Australien, gewonnen hat.

Eine persönliche Premiere hat Stange immerhin schon geschafft: Mit der syrischen Nationalmannschaft nimmt er an seinem ersten internationalen Turnier als Trainer teil. Und das, obwohl bereits einige Stationen auf der Liste des früheren Nationaltrainers der DDR-Auswahl stehen.

Im Jahr 1983, mit gerade mal 35 Jahren übernahm der ehemalige Amateur-Kicker die Nationalmannschaft der DDR. Sechs Jahre war er im Amt. In jener Zeit unterhielt er auch Kontakte zum DDR-Ministerium für Staatssicherheit. 1995 wurden die Verbindungen durch einen "Stern"-Bericht öffentlich. Stange war da gerade Sportdirektor bei Hertha BSC Berlin.

Im Anschluss folgten Stationen im Ausland: Ukraine, Australien, Oman, Zypern, Singapur, Weißrussland. Für sein Engagement als Nationaltrainer des von Saddam Hussein diktatorisch geführten Iraks wurde Stange kritisiert. Vom Fußball-Weltverband FIFA hingegen erhielt er eine Auszeichnung dafür, dass ihm trotz des Krieges die "Wiederbelebung des irakischen Fußballs" gelungen sei.

Stange kennt sich also mit schwierigen Situationen aus. Auch für seine Tätigkeit in Syrien musste er immer wieder kritische Fragen beantworten. Schließlich gibt es immer wieder Versuche, die Nationalmannschaft auch in die Propaganda von Präsident Baschar al-Assad einzubinden. Vor allem ins Ausland geflohene Syrer bezeichnen die Mannschaft deshalb häufig auch als "Assads Mannschaft".

Bislang hat Bernd Stange den Großteil seiner Amtszeit nach eigener Aussage in Syrien verbracht, wie die WAZ berichtete. Sein Ziel sei es, den Menschen in dem zerstörten Land durch Fußball wieder ein wenig Alltagsfreude zu vermitteln.

Aus der Politik halte er sich jedoch heraus, erklärte der 70-Jährige immer wieder. "Junge Leute zur Höchstleistung zu bringen, das ist mein Job. Alles andere ist nicht angesagt und bringt nichts", sagte Stange der Deutschen Presse-Agentur, als er im März vergangenen Jahres sein Amt antrat. "Ich bin ein politisch interessierter Mensch. Ich weiß aber, was politische Äußerungen bewirken."

Zuletzt betonte Stange immer wieder die Erfolge, die er seiner bisherigen Amtszeit verbuchen konnte: Ein neuer Kunstrasenplatz etwa, auf dem Kinder spielen könnten, die in Ruinen lebten. Und kriegsmüde Fans, die in Scharen zu Zehntausenden wieder zu den Spielen der syrischen Fußballliga kämen.

Am Donnerstag steht für den ehrgeizigen Trainer schon im zweiten Gruppenspiel gegen Jordanien eine Art Endspiel an. Denn nach der Asienmeisterschaft soll endgültig Schluss sein. Doch wer weiß, aus welchem Land in Zukunft wieder ein Angebot per Fax bei ihm landet.

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