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NWZonline.de Sport

Auch Reiterträume können platzen

25.07.2015

Rastede Es war, als hätte es die Mutter schon vorher geahnt. Für die Nachwuchsreiterin aus dem Südoldenburgischen war es ein Riesentraum. Einmal beim Landesturnier in Rastede dabei sein. Und jetzt sollte der Traum in Erfüllung gehen. Der Transport hatte gut funktioniert, das Pferd war gut untergebracht, die Anmeldeformalitäten erledigt, die Stimmung in der Familie und bei den mitgekommenen Freunden war gut. Lediglich die Zeitplanung hatte sich etwas verändert. Der Start sollte erheblich später als zunächst vorgesehen sein.

Eigentlich war die Verzögerung kein Problem, schließlich war man beim Rasteder Landesturnier ja unter Freunden, ein fröhliches Treffen der großen oldenburgischen Reiterfamilie. Dennoch – das Warten zerrte an den Nerven.

Und dann der große Auftritt vor der ungewohnten Kulisse. Jede Menge Zuschauer, die Pagodenzelte, die bunte LED-Werbebande am Rand des Springplatzes, die Rummelplatz-Atmosphäre – alles stürzte auf Pferd und Reiterin ein, als sie vom ruhigen Abreiteplatz in die große Arena kamen.

Die Nachwuchsreiterin aus dem Südoldenburgischen nahm ihr Herz in die Hand. Die Vorbereitungszeit war ihr zwar plötzlich davongelaufen und sie hatte ihrem Pferd nur einen recht kleinen Bereich des Parcours gezeigt, doch nach dem Einläuten ihrer Runde machte sie sich beherzt auf den Weg – und war so gut unterwegs. Mit jedem genommenen Hindernis wuchs die Sicherheit, ein kleiner Flüchtigkeitsfehler war egal, mit vier Strafpunkten in Rastede kann man locker leben, das Ende der Springstrecke war schon zu ahnen. Doch dann kam die zweifache Kombination. Und bei dem Pferd offenbar die Erinnerung, dass es sich vor einigen Wochen bei einem ähnlichen Hindernis ziemlich weh getan hatte.

Die verheerende Folge: Blitzschnell blieb es vor dem Hindernis stehen, machte einen Buckel – und die junge Reiterin konnte sich nicht mehr im Sattel halten, rutschte über den Hals des Pferdes und landete im Gras. Die Katastrophe war komplett, aus der Traum von einem erfolgreichen Auftritt in Rastede, geplatzt wie eine buntschillernde Seifenblase. Beim Reiter ist es so etwas wie die Höchststrafe, wenn man sein Pferd am Zügel aus dem Parcours führen muss. Es tut einfach nur so verdammt weh! Nicht an der Schulter, die auch etwas abbekommen hat, sondern in der Seele.

Keinem erfolgreichen Reiter ist dieses bittere Gefühl fremd. Deshalb gehen sie in der großen Reiterfamilie auch voller Respekt mit solchen Niederlagen um, auch in dem Wissen, dass sich die aktuelle Katastrophe mit der zeitlichen Distanz verändert und am Ende eine Episode wird, die mehr oder weniger gern erzählt wird. So wie die Geschichte vom mehrfachen Olympiasieger Hans Günter Winkler, der sich vor Jahrzehnten in Rastede plötzlich im Wassergraben von Pulvermanns Grab wiederfand, abgeworfen von seiner Wunderstute Halla.

Die große Niederlage der südoldenburgischen Nachwuchsreiterin ist nur eine kleine Randnotiz auf dem 67. Landesturnier, das an diesem Wochenende mit zahlreichen Wettbewerben seinen Höhepunkt erlebt. Nirgendwo sonst gibt es eine solche Breite – Springen, Dressur, Vielseitigkeit sowie Kutschenwettbewerbe mit Ein-, Zwei- und Vierspännern. Das Publikum darf sich auf großen Sport und ein breites Unterhaltungsangebot freuen, beispielsweise, wenn ein Feuerwerk den Sonnabendabend beschließt.

Vor fünf Jahren gab es übrigens einen Generationswechsel an der Spitze des traditionsreichen Turniers. Claas Daun und Wolfgang Teske, über viele Jahre legendäres Führungsduo des Turniers, gaben ihre Leitungsaufgaben an Jan-Christoph Egerer und Torsten Schmidt weiter. Alle vier bewiesen, gemeinsam mit Michael George als weiteren Turnierleiter, dass Generationswechsel auch bei Großunternehmungen wie dem Landesturnier erfolgreich funktionieren können.

Nach fünf Jahren unter der neuen Führung, in denen es sowohl Veränderungen als auch das Festhalten an den traditionellen Werten gab, formulierte Turnierleiter Jan-Christoph Egerer auf einem Empfang für die Sponsoren den Dank an die Vorgänger, aber auch an die Helfer und Mitarbeiter sowie die Unterstützer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Auch der neue Schirmherr des Rasteder Turniers, Christian Herzog von Oldenburg, sagte als Nachfolger seines im Herbst gestorbenen Vaters Anton Günther Herzog von Oldenburg die weitere Unterstützung des großen Familientreffens der oldenburgischen Reiterei zu. So dürfen sich die Turniermitarbeiter auch weiterhin auf die legendäre Gurkenbowle zum Turnierabschluss freuen.

Aber vorher gilt es noch, das Wochenende zu bestehen – mit Siegen, Niederlagen, viel Sportsgeist und einer gehörigen Portion Familiensinn.

Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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