Nordenham - 7000 Kilometer liegen hinter Aaron Lachnitt, als er mit seinem Rad auf die Auffahrt seines Elternhauses in Nordenham biegt. Der 28-Jährige wollte unbedingt mal raus und etwas erleben. Nun kann er auf viereinhalb Monate reinstes Abenteuer zurückblicken.
Nach seinem Jurastudium hatte der Nordenhamer beschlossen, eine Auszeit zu nehmen. „Bevor ich im Job später keine Zeit mehr dafür habe, dachte ich, es ist jetzt die letzte Chance für so eine Tour“, erzählt Aaron Lachnitt, „allerdings wollte ich nicht nur Backpacking machen.“ Der sportliche Anreiz war groß und so reifte seine Entscheidung, mit dem Fahrrad quer durch Europa zu reisen.
Am Pfingstmontag ging das Abenteuer los. Ausgerüstet mit zwei Taschen, die rechts und links am Gepäckträger befestigt wurden, machte sich der 28-Jährige in Richtung Süden auf. Über Bremen, Celle, Nürnberg und München erreichte er zunächst den Bodensee. Diesen umfuhr der Nordenhamer auf dem Weg nach Basel in der Schweiz und konnte dabei ein echtes Naturschauspiel, den Rheinfall, bestaunen.
„Ich bin nie direkt von Großstadt zu Großstadt gefahren“, sagt der Radler, „vieles, was auf dem Weg lag, habe ich mir angeschaut und bei der Gelegenheit Bekannten, Verwandten und Freunden einen Besuch abgestattet.“
Zuerst in den Süden
Entlang des Flusses Le Doubs auf dem europäischen Radweg führte die Route weiter nach Zentralfrankreich. Vorbei an Lyon und Avignon erreichte Aaron Lachnitt die Südküste Frankreichs. „Auf dem Weg dachte ich mir, es wäre doch schön, wenn ich es von der Nordsee bis ans Mittelmeer schaffe“, erinnert er sich.
Über die Wege und Richtungen, die auf der Fahrt eingeschlagen wurden, entschied der Europa-Radler meist spontan. Grobe Pläne gab es jedoch schon. Und so warf er hin und wieder einen Blick auf die Landkarte.
Nachts schlug der Nordenhamer sein mitgeführtes Zelt auf oder übernachtete je nach Gelegenheit in Jugendherbergen oder Hostels.
Trotz toller Bekanntschaften und atemberaubenden Naturerlebnisse während der Radtour, gab es auch einen Schreckmoment, als sein heißgeliebtes Fahrrad in der Jugendherberge des französischen Mittelmeerorts geklaut wurde. „Okay, das war’s jetzt mit der Weiterfahrt, dachte ich im ersten Moment, aber dann habe ich kurzerhand das gleiche Fahrrad nachbestellt.“
Nach drei Wochen Zwangspause, in denen der Jurist auf das neue Fahrrad wartete, konnte die Reise vorbei an Toulouse gen Norden fortgesetzt werden.
Bevor er mit der Fähre in Cherbourg nach Irland übersetzte, machte der 28-Jährige an der beeindruckenden Abtei Mont-Saint-Michel und dem historischen Omaha Beach in der Normandie Halt.
„Auf dem Weg habe ich unglaubliche Sachen gesehen. Das Ziel der Reise war für mich aber immer Liverpool, weil ich ein großer Fußballfan bin“, sagt Aaron Lachnitt. Nachdem das grüne Irland vom Fähranleger im Süden bis Dublin durchquert war, ging es nach einer weiteren Fährüberfahrt auf dem walisischen Küstenradweg weiter nach Liverpool.
Einen besonderen Höhepunkt der Reise bildete – angekommen am Ziel – ein Stadionbesuch, bei dem er einen Sieg seiner Lieblingsmannschaft FC Liverpool mitfeiern konnte.
Täglich etwas Neues
Der Weg von dem Vereinigten Königreich führte den Extrem-Radfahrer am Ende seiner Reise über die Niederlande zurück ins heimische Nordenham. „Die Reise tat richtig gut“, ist er begeistert, „jeden Tag gab es etwas Neues zu sehen.“ Am liebsten würde der Nordenhamer sich sofort wieder auf den Sattel setzen und zur nächsten Tour aufbrechen.
