Emden/Hinte/Krummhörn - Katastrophenstart für die Teams aus Emden und Umgebung in der Fußball-Ostfrieslandliga: Der FC Loquard, Aufsteiger Riepe, der FC Frisia, Visquard und Concordia Suurhusen belegen nach den ersten Duellen der Saison 2023/24 die letzten fünf Plätze, haben als einzige noch keinen Punkt geholt. Wo drückt der Schuh? Wer kommt bald in Schwung – und wer nicht? Die Sportredaktion sprach mit allen Trainern und gibt eigene Einschätzungen der Lage ab:

 Concordia Suurhusen (Tabellen-16.): In der vergangenen Saison wurde früh klar, dass die Mannschaft der Aufgabe Bezirksliga nicht gewachsen sein würde. Zu eindeutig waren die Ergebnisse. Doch auch nach dem Abstieg ist zumindest bisher keine Besserung eingetreten. Das liegt auch daran, dass Suurhusen personell erneut Federn lassen musste, wichtige Spieler haben nach Norden, Hinte oder Borssum gewechselt. Den Wegfall von sieben Stammspielern – darunter Namen wie Helge Thiele, Andre oder Timo Janssen, Tim Benjamins oder Malte Dannehl – muss Trainer Keno Stalke irgendwie kompensieren. Eine Mammutaufgabe mitten in einer sportlich negativen Phase. Der Coach spielt daher auch selber mit, dennoch hat Concordia von der Ersatzbank kaum etwas zuzusetzen. Stalke: „Der Kader ist sehr, sehr klein. Wir sind nur 16, 17 Leute.“ Aktuell füllt er mit Spielern der Reserve auf, die auch zum Einsatz kommen.

Nach zwei schweren Gegnern zum Start und zwei ebenso schwer zu verdauenden Ergebnissen (0:5 gegen Westrhauderfehn, 0:9 gegen Mitabsteiger Moordorf) ist auch für Stalke mit Blick aufs Personal klar: „Selbst in der Ostfrieslandliga wird es so schwer, mitzuhalten.“ Um eine richtige Standortbestimmung zu machen, müsse man aber die „mittelschweren“ Gegner abwarten. In der ostfriesischen Fußballszene wird dagegen schon jetzt vermutet, dass Suurhusen sich im Winter um Verstärkung bemühen muss, um wettbewerbsfähig zu sein. Immerhin stimmt der Teamgeist in Suurhusen, wie der Trainer betont. Für Concordia wird es wohl dennoch verflucht schwer, die Negativspirale zu durchbrechen.

 RSV Visquard (Tabellen-15.): Die Krummhörner mussten zwar keinen Abstieg verknusen, gleichwohl hat sich auch hier personell einiges verändert. Daniel Schwidder hat den Trainerposten von Visquard-Urgestein Stefan Eeten übernommen, mit Jens Eeten (Pewsum) und Maik Eeten (Karriereende) haben zudem zwei wahre Eckpfeiler die Mannschaft verlassen. „Das waren starke Charaktere. Jetzt müssen andere zu Häuptlingen werden“, fasst Schwidder die Situation zusammen. Trotz zweier 0:3-Niederlagen gegen Weene und Ihrhove sowie dem Aus im Pokal gegen Moordorf ist der RSV-Cheftrainer keinesfalls konsterniert. Mut schöpft er unter anderem, weil Ole Wiltfang vor einer Woche zurückgekehrt ist. Das Stürmer-Ass hatte im Sog der Abschiedswelle beim RSV eigentlich ebenfalls seinen Hut genommen. Doch der Wettkampf fehlte ihm so sehr, dass er nun wieder für Visquard stürmt.

Mit Typen wie Mirco-Zico Harms im Kader hat „Visket“ zudem längst nicht alle „Häuptlinge“ verloren. Damit könnten die Krummhörner sich demnächst wieder anders auf dem Fußballplatz präsentieren. „Ich bin optimistisch, dass sich das einspielt“, sagt Schwidder.

 FC Frisia Emden (Tabellen-14.): Raus aus dem Pokal (2:4 auf Borkum), Auftaktniederlage in der Liga (2:5 gegen Westrhauderfehn) – der FC Frisia legt wie im letzten Jahr einen schlechten Saisonstart aufs Parkett. „Eigentlich haben wir 25 Mann im Kader, aber momentan ist es ein Überlebenskampf überhaupt elf Leute zusammenzubekommen“, sagt Sven Voorwold, Trainer des Stadtteilvereins aus Transvaal.

Wie schon vor einem Jahr sind viele Frisianer noch verstreut und in der Weltgeschichte unterwegs. „Es ist eben noch Urlaubszeit. Das kannst du nicht kompensieren“, sagt Voorwold, der seine erste Elf noch nicht auf dem Feld hatte. Er vermutet, dass die Teams aus Emden und Umgebung stärker unter den Werksferien bei VW leiden, als andere in Ostfriesland. „Bei der Vorbereitung hatte ich nur vier, fünf Leute. Viele sind deshalb noch nicht fit.“ Für die Emder wird es daher ein echter Kaltstart in die Saison. Einen Vorwurf will Voorwold daraus keineswegs ableiten, im Gegenteil, er bleibt gelassen. „Es wird sein wie letzte Saison – Katastrophenstart und ab dem vierten, fünften Spieltag fangen wir uns.“ Spannend: Am Sonntag ist Frisia in Suurhusen zu Gast.

 TSV Riepe (Tabellen-13.): Aufsteiger Riepe musste unter seinem neuen Trainer Sören Tomljanovic in der Liga zwei knappe Niederlagen hinnehmen (1:2 gegen Holtriem, 2:3 gegen Holter SV). Dafür ist man im Pokal weitergekommen (5:2 gegen Plaggenburg). Die Sorgenfalten sind deshalb noch nicht besonders tief. Noch fehlen Topspieler wie Ralf Coordes, Abwehrchef Jan Hendrik Ubben und Lukas Agena. Ein paar längerfristig Verletzte und die Abwesenheit von Torjäger Jannes Popp werden die Durststrecke wohl noch etwas verlängern. Dann aber wird man das Ruder wahrscheinlich herumreißen können.

 FC Loquard (Tabellen-12.): Als fast schon legendär (aber im negativen Sinne) bezeichnet Loquards Trainer Andreas Ysker das Verletzungspech bei den Krummhörnern. Fest macht er das unter anderem an den drei Neuzugängen des FC: Patrick Draxler, Jan Geiken und Tobias Frerichs – alle haben sich verletzt. Weitere Spieler im Lazarett, einige überflüssige Platzverweise und Urlaubs-Abstinenzen sorgen dafür, dass Ysker mit Mühe und Not 13 Mann zusammenbekommt. Die allerdings haben ihre Sache ordentlich gemacht – trotz allem. Bei der 1:2-Niederlage gegen Marienhafe traf Loquard allein viermal Alu. Und beim 3:4 in Leerhafe-Hovel fehlte ebenfalls nicht viel. Aber doch ein bisschen. „Wir verballern zu viele Chancen, hinten sind wir zu anfällig“, analysiert Ysker.

Gleichwohl ist der Trainer lange genug im Geschäft, um die Ruhe zu bewahren. Loquard kann sich traditionell auf ein starkes Kollektiv verlassen. Und Verletzungen heilen, Sperren werden abgesessen. Wie schon in der vergangenen Saison, als die Krummhörner erst nach einigen Wochen ins Rollen kamen, haben sie auch diesmal genug Steigerungspotenzial in petto. Um Loquard muss man sich keine Sorgen machen.

Lars Möller
Lars Möller Emder Zeitung