Vechta/Berlin - Auch zehn Niederlagen in Folge und der Platz am Tabellenende in der Basketball-Bundesliga kann die Begeisterung um den Sensationsaufsteiger Rasta Vechta nicht brechen. Zum Auswärtsspiel beim frisch gebackenen Pokalsieger Alba Berlin (Sonnabend, 19 Uhr, O2-Arena) wird die Mannschaft von mehr als 1000 Fans begleitet.
Marco Baldi, seit nunmehr 24 Jahren Schalter und Walter jenes Hauptstadtclubs, der nun zum achten Mal den Pokal gewinnen konnte, ist begeistert: „Unglaublich, was Rasta Vechta da auf die Beine gestellt hat. Mit 1000 Fans nach Berlin – das ist schon der Wahnsinn.“
Im Mittelpunkt dieses ersten April-Wochenendes stehen für die Anhänger des noch zu Regionalliga-Zeiten augenzwinkernd selbst ernannten „geilsten Clubs der Welt“ aber weder die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt noch der Auftritt von Hertha BSC am Sonntag gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Das Hauptaugenmerk der Rastaner auf ihrer Berlin-Tour liegt natürlich auf dem Duell unweit des Ostbahnhofes. Rasta-Coach Patrick Elzie reist zwar mit jeder Menge Respekt vor den Berlinern an die Spree, will aber nicht wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren. „In unserer Situation können wir uns keine Ehrfurcht erlauben. Wir haben noch sieben Spiele und davon müssen wir so viele wie möglich gewinnen. Bei einem so heimstarken Team wie Alba ist das natürlich sehr schwierig. Aber wir werden unser Bestes geben“, sagt Elzie.
Dass der Pokaltriumph, als zunächst der amtierende Meister Bamberg 83:67 und im Finale Gastgeber Ulm mit 86:80 besiegt wurden, die Berliner zufrieden und nachlässig machen werde, glaubt der Rasta-Trainer nicht: „Auf die Hoffnung, dass die Berliner vielleicht müde sind, können wir nicht bauen. Wir müssen unser Spiel machen, egal was die anderen tun.“ Dabei kann er auf Richie Williams bauen, der nach einer Leistenverletzung dank des Pokal-Finales in Ulm sich länger schonen konnte. Ein weiterer Hoffnungsträger, Rashad Bishop, der im Hinspiel mit 27 Punkten glänzte, ist wieder im Training, sein Einsatz wird sich aber erst kurz vor dem Spiel in Berlin entscheiden.
Eine andere Figur aus dem Hinspiel wird auf der Gegenseite die Regie von Außen übernehmen. In Sasa Obradovic (als Spieler einmal Welt- und dreimal Europameister, außerdem Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in Atlanta) hat Berlin einen erfolgshungrigen Trainer, der den einstigen Abonnement-Meister über kurz oder lang wieder nach ganz oben führen soll. In Vechta allerdings trieben ihn Ehrgeiz und Temperament zu weit. Nach einem Foulpfiff ärgerte er sich derartig, dass er eine Wasserflasche in die Ränge schleuderte und die Cheerleader Marleys knapp verfehlte. Später entschuldigte er sich dafür und dürfte in Berlin, nicht nur der imposanten Halle wegen, auf diese Art von Reaktion verzichten. Schließlich ist sein Team, das in Vechta über 11:0, 52:36 am Ende mit 88:73 locker siegte, erneut der klare Favorit.
