Bad Zwischenahn - Auch nach 20 Jahren hat das Treffen der Freunde des Pedersen-Fahrrades nichts an Attraktivität eingebüßt. Im Gegenteil – über 80 Freundinnen und Freunde dieser für manche Menschen etwas seltsam anmutenden Drahtesel „mit der Hängematte“ trafen sich in Bad Zwischenahn, um das Ammerland und die Gegend drum herum zu erkunden.

Sie kamen aus ganz Deutschland, aus den Niederlanden und aus Belgien. Bei meist strahlendem Sonnenschein radelten Frauen und Männer rund um das Zwischenahner Meer mit einem Zwischenstopp in Dreibergen. Dort wartete man mit dem typischen Ammerländer Löffeltrunk auf die Gruppe. „Den Zinnlöffel haben inzwischen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und bringen ihn von weit her mit“, sagt Otto Renken, Organisator und „Vater“ des traditionsreichen Treffens. Die Hauptattraktion aber war die Fahrt ins Oldenburger Schloss zur Besichtigung der Ausstellung „World Press Photo“.

Vanessa Reis und Eva Frömmchen zeigten den Radlern die große Anzahl an überwiegend nicht inszenierten Bildern. Dieter Groneick aus Überlingen ist schon eine Woche in Bad Zwischenahn und begeistert von den vielen spannenden und teilweise auch grausamen Fotos, die dort im Schloss hängen. „Allein der brennende Mann auf dem Gewinnerfoto ist bitter“, so der Mann vom Bodensee, der die weiteste Anreise zum Treffen hatte.

Dieter „Ösi“ Oesmann aus Hamburg ist nachweislich von der ersten Stunde an immer beim Pedersen-Treffen dabei gewesen. „Das Programm in Bad Zwischenahn ist jedes Mal fantastisch“, schwärmt er. Michael Kämper ist sicherlich in ganz eigener Mission dabei. Er ist der einzige Hersteller von Pedersen- Fahrrädern in Deutschland. „In der Regel sind es im Jahr so 50 bis 70 Maßanfertigungen. Zum Teil mit sehr individuellen Ausstattungen“, so der Fabrikant. Die Besteller seien sehr kreativ und oft liebevolle Spinner, meint er mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Sie seien bereit, 2500 bis 8000 Euro für solch ein Gefährt auf den Tisch zu legen. Der Däne Mikael Pedersen (1855 – 1929) entwickelte das Fahrrad im Jahr 1890. Pedersen war mit dem Sitzkomfort damaliger Fahrräder nicht zufrieden und entwickelte daher einen eigenen geflochtenen Sattel, der zwischen Rahmen und Lenkrad wie eine Hängematte aufgehängt wurde. Um diesen Sattel, der seitlich schwingt, baute er den Rahmen aus 21 Dreiecken.

„Es sind die vielfältigen menschlichen Begegnungen, die den Gewinn für alle am Treffen ausmachen. Viele dicke Freundschaften sind dadurch entstanden“, weiß Otto Renken. Das bestätigen auch seine Helfer Rita und Wilfried Alrutz. „Ohne Mikael Pedersens einzigartige Erfindung würden wir alle uns gar nicht kennen, wären uns im Leben nie begegnet“, sagt Traute Renken während der Fahrt. Leckeren Imbiss gab es im „Seidenspinner“ in Oldenburg und ja, aufgrund der frischen Temperaturen am späten Nachmittag gab es eine Glühwein-Pause, bevor es dann zum Ammerländer Grünkohlessen in die Motormühle nach Rostrup ging. Am Sonntag stand dann noch ein Besuch bei den „Ammerländer Holzwaren“ in Wiefelstede an, bevor man sich bei einem Mittagessen verabschiedete und wieder in alle Welt radelte.