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Piratenprüfung Unter schwarzer Flagge unterwegs

Gabriel Jülke

BARßEL - Plötzlich sehe ich mich auf einer schmalen Planke wieder – besser gesagt, ich sehe nichts, denn man hat mir die Augen verbunden. Werde ich die Prüfungen durchstehen, die uns Piratenkapitän Werner Reckling auferlegt? Denn heute fährt die MS Spitzhörn unter schwarzer Flagge und bildet Nachwuchspiraten aus – und ich bin mittendrin.

Mit rot-gestreiftem Hemd, Kopftuch und imposantem Plastiksäbel stehe ich am Dienstagmittag auf dem Landungssteg der MS Spitzhörn im Barßeler Hafen. Pirat werden wollte ich schon als kleiner Junge, jetzt habe ich die Gelegenheit dazu. Neben mir warten acht Jungs und ein Mädchen – viele wie ich im Piratenkostüm.

„Es gibt nur einen an Bord, der etwas zu sagen hat“, erklärt uns Piratenkapitän Reckling die Hackordnung. „Verstanden?“ – „Aye, aye, Kapitän.“ Nach dieser ersten Einweisung startet auf dem Aussichtsdeck der Spitzhörn die Prüfung, während das Schiff zu einer eineinhalbstündigen Fahrt aufbricht.

„Wir wollen heute auf Kaperfahrt gehen“, erklärt uns der Kapitän. Doch dazu müssten erst einmal die Segel gesetzt werden. Also lernen wir, in die Takelage zu klettern. „Wenn der Wind durch die Seile heulte, klingt das wie ein Jammern. Deshalb wurden Segelschiffe ?Windjammer genannt“, berichtet Reckling. Na dann rauf auf die Strickleiter – eine ganz schön wackelige Angelegenheit. „Deshalb sollte man nicht müde sein, wenn man auf den Seilen herumklettert“, ermahnt der Kapitän. Schließlich will er nicht, dass seine jungen Kadetten über Bord gehen.

Es folgt die Enterprüfung: Mit einem Seil schwingen wir uns über das Deck, um reiche (und süße) Beute zu machen.

„Zum Zeitvertreib haben Piraten oft etwas ausgeheckt. Und wer erwischt wurde, wurde natürlich bestraft“, erzählt Reckling. „Sie mussten mit verbundenen Augen über eine Planke gehen. Wer es schaffte, war frei.“ Als früherer Leistungsturner ist mein Gleichgewichtssinn eigentlich gut ausgeprägt – ich zeige mich selbstbewusst. Doch auf dem schmalen Balken und noch dazu blind, muss ich mir alle Mühe geben, nicht herunterzufallen. Nach bestandenem Test darf ich in die Schatzkiste greifen und mich stärken. Die Kids scheinen es alle besser zu machen, muss ich mir eingestehen.

Es folgt ein Wurftraining mit dem Rettungsring, falls jemand über Bord geht. Außerdem müssen Seemannsknoten geübt werden. Über 300 gebe es, so Reckling. Wir lernen für den Anfang zwei. Hier rüber, dort durch die Schlaufe – ganz schön kniffelig. Doch mit ein bisschen Übung meistern wir auch diese Prüfung.

Am Ende gibt es eine echte Piratenmahlzeit: Knäckebrot mit Zitrone. „Bei langen Schiffsreisen litten die Leute an Skorbut, einem starken Vitamin-C Mangel“, erklärt Reckling. Die Zitrone mit ihrem hohen Vitamin-C-Gehalt sei lebensrettend für die Piraten gewesen. Also Augen zu und reingebissen: So ein Piratenleben ist ganz schön hart.

Noch einen Termin für die Piratenprüfung bietet die Spitzhörn-Crew am Dienstag, 24. Juli, an. Treffen ist um 13.45 Uhr am Kai, Anmeldung unter 04499/93 80 80.

NWZ

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