Osnabrück/Oldenburg - Der 8. Oktober 2023 bleibt Sarah Nocke aus Oldenburg noch lange in Erinnerung: An diesem Tag schnupperte die 18-Jährige im Trikot der Panthers Osnabrück zum ersten Mal für einige Minuten Bundesligaluft und half dabei, die hohe Führung gegen die unterlegene Mannschaft aus Göttingen zu verwalten. „Es war ein sehr spannendes Gefühl und ich wurde sehr gut von meinen Mitspielerinnen unterstützt“, erinnert sich Nocke. Die knapp 400 Zuschauer in der oftmals gut besuchten OSC-Halle nahm sie in ihrer vollen Konzentration kaum wahr.
Früh nach Frankreich
Nocke gehört zu den großen Talenten bei den Osnabrück Panthers und fasst immer mehr Fuß in der Profimannschaft des Vereins, der in Deutschland zu den angesehenen Adressen gehört. Dabei hat sie trotz ihres jungen Alters schon internationale Erfahrungen gesammelt. Bei einem Schüleraustausch in Frankreich spielte sie mit 16 Jahren für den CTC Golfe Antibes. Hier fasste sie den Entschluss, auf eine Karriere als Profibasketballerin hinzuarbeiten. „Ich habe in Frankreich gemerkt, dass die Möglichkeiten, mich in Oldenburg weiterzuentwickeln, begrenzt sind“, schildert Nocke, die bis dato für den Oldenburger TB auf Körbejagd ging. Bei einem Nachwuchs-Basketball-Camp in Bad Essen hatte sie bereits Kontakte zu Osnabrücker Spielerinnen geknüpft. Diese teilten ihr mit, dass der Verein noch auf Spielersuche sei. Selbstständig stellte sie dann den Kontakt zu den Junior Panthers in Osnabrück her. Nocke, die auf der Forward-Position zuhause ist, überzeugte die Verantwortlichen schnell und wurde Teil der U-18-Mannschaft.
Dass sich Nocke nur ein Jahr später Bundesligaspielerin nennen darf, war damals noch nicht absehbar. „Sie kam als unbekannter Neuling nach Osnabrück und wurde in der Nachwuchsbundesliga schnell zu einer Leistungsträgerin“, erinnert sich ihre Mutter Catja Hilge. Nockes Stärken sind ihre Geschwindigkeit und Athletik. „Dass sie früher viel geschwommen hat, hilft ihr heute bei Stabilität und Ausdauer“, sagt Hilge.
Einsätze in drei Spielen
Behutsam wird Nocke nun an den Profibasketball herangeführt. „Wenn die Mannschaft hoch führt, bekomme ich einige Einsatzminuten“, sagt die 18-Jährige. Das kommt nicht selten vor, die Panthers rangieren derzeit auf Platz drei der Tabelle. Drei Einsätze stehen immerhin schon zu Buche und die junge Flügelspielerin spürt das wachsende Vertrauen durch den Trainer. Regelmäßig Spielpraxis erhält sie derweil in der zweiten Mannschaft der Osnabrücker in der 1. Regionalliga (dritthöchste Spielklasse), wo vor allem das Ausprobieren und die spielerische Entwicklung im Vordergrund stehen.
Nicht immer einfach ist die Vereinbarkeit von Basketball und Schule, denn Nocke macht nächstes Jahr in Oldenburg ihr Abitur. Zum Training und zu Spielen pendelt sie regelmäßig, mittlerweile hat sie zumindest einen eigenen Führerschein: „Trotz Schule schaffe ich es in der Woche zwei, dreimal zum Training der ersten Mannschaft.“ Der Verein unterstütze sie, wo er kann, sagt Nocke. So steht ihr in Osnabrück ein kleines WG-Zimmer zur Verfügung, in dem sie mit drei anderen Spielern übers Wochenende bleiben kann. Auch auf Klausurenphasen nimmt der Verein Rücksicht und gewährt ihr die Zeit, die sie benötigt. Hausaufgaben macht sie oft auf dem Weg nach Osnabrück, wenn sie nicht gerade mit dem Auto unterwegs ist.
Training mit Lerneffekt
In der Woche nach Weihnachten konnte Nocke erstmals über einen längeren Zeitraum mit den Profis trainieren. „Die Zeit war ganz wertvoll für Sarah, hier konnte sie alle unterschiedlichen Systeme kennenlernen, die gespielt werden“, sagt Hilge. Die Taktik steht hier mehr im Vordergrund, es gibt regelmäßig Videoanalysen. Der Ton im Training kann manchmal etwas rauer werden, „aber letztlich sind alle superlieb und erklären mir viel“, sagt Nocke. Sei es das richtige Blocken oder mehr Körpereinsatz: „Aus jedem Training kann ich etwas mitnehmen, was mich weiterbringt.“
Einen konkreten Zukunftsplan hat Nocke nicht. „Ich denke von Schritt zu Schritt und freue mich darauf, in der Bundesliga anzukommen“, sagt sie. Den verbreiteten Traum, mal in der nordamerikanischen Frauen-Profiliga WNBA zu spielen, teilt sie nur bedingt. Vielmehr könnte sie sich vorstellen, irgendwann nach Frankreich zurückzukehren – dann als gestandene Basketballspielerin.
