Oldenburg - Am Mittwochabend stand Chris Kramer noch mit seinen Teamkollegen der EWE Baskets beim 83:71-Heimsieg gegen ROSA Radom in der Basketball Champions-League auf dem Parkett. 14 Stunden später verliert der Basketball-Profi dann ein Match – und das sogar ausgesprochen gerne: Beim Speedhockey in der Oldenburger Kinderklinik gibt sich der Spielmacher der Baskets der neunjährigen Henrike geschlagen. „Juhu, ich habe 2:0 gewonnen!“, frohlockt das Mädchen aus dem ostfriesischen Neermoor, das an Mukoviszidose leidet und einen Mundschutz trägt.
Fast das komplette Team des Oldenburger Basketball-Bundesligisten stattet am Donnerstag dem Klinikum einen Besuch ab, um kleine Patienten vor Weihnachten glücklich zu machen. 70 Tüten – gefüllt mit Fan-Utensilien und 100 Eintrittskarten für das Europapokal-Heimspiel gegen Varese am 24. Januar – verteilen die Spieler auf den Stationen der Kinderklinik an Kinder, Eltern und das Pflegepersonal. Bereitwillig geben die Basketballer Autogramme – auf vorbereiteten Karten oder sogar direkt auf den weißen Pfleger-Kittel von Praktikant Fabian Höfig (17).
„Eine tolle Aktion“, findet Werner Brink aus Sögel. Auf seinem Schoß sitzt seine zweieinhalbjährige Tochter Charlotte, die wegen eines Gendefekts jeden Donnerstag behandelt werden muss. Charlotte blickt den in blauer Club-Kluft gekleideten Hünen mit großen Augen entgegen und freut sich wie die anderen Kinder besonders über die Bälle, mit denen auf dem Flur vorm Spielzimmer gedribbelt werden darf.
Auch Sabine Reinke, deren Tochter Janine (11) in der Kinderklinik in Behandlung ist, freut sich über den Besuch der Basketball-Profis: „Das ist eine Super-Überraschung.“ Live in Aktion hat sie die Spieler erst beim jüngsten Bundesliga-Heimspiel gegen Gießen erlebt, als sie sogar den Halbzeit-Punktestand der Baskets richtig getippt und ein Trikot gewonnen hatte. „Mit den Baskets habe ich richtig Glück“, stellt sie fest.
Moritz (13) aus Ganderkesee musste sich in dieser Woche einer Lungenspiegelung unterziehen. Er macht stolz Selfies mit Aufbauspieler Frantz Massenat und spielt Doppelpass mit Philipp Schwethelm, der obendrein Talent als Balljongleur beweist: „Ich hab’ das an langen Winterabenden geübt“, scherzt der 2,01 Meter große Flügelspieler.
Schwethelm betont, dass man das Team nicht lange habe bitten müssen: „Wir machen das alle sehr gerne. Es ist schön, wenn wir damit Freude verbreiten können“, sagt Schwethelm. „Die Mannschaft ist sehr sensibilisiert. Einige aus dem Team engagieren sich auch in der Flüchtlingshilfe.“
Trainer Mladen Drijencic macht mit seinen Spielern auch eine Stippvisite in der Kinderkrebsstation. „Unser Anliegen ist es, den Kindern ihre Zeit hier zu erleichtern und ihnen schöne Momente zu bescheren. Wir wollen Unterstützung auf dem Weg zum Gesundwerden leisten und Motivationshilfe sein“, sagt Drijencic. „Wir wissen, dass im Leben nicht alles glatt geht.“ Der Chefcoach ermunterte die Kinder, immer an sich zu glauben. Gerade auch Sportler müssten mit Rückschlägen und Niederlagen fertig werden.
Am Donnerstag hingegen haben die Baskets auch außerhalb des Spielfelds gewonnen: Sympathien und neue Fans.
