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Bei der EM sind die lästigen Fliegen aus dem Turnier geputzt

Christian Brand

(36) spielte für den VfB Oldenburg, Werder Bremen und Hansa Rostock. Er lebt in der Schweiz und macht den Trainerschein. Exklusiv für diese Zeitung berichtet er von der EM.

Fliegen haben etwas unangenehmes. Sie sind zwar nicht laut, machen kaum Dreck, aber dennoch kreisen sie einem immer um den Kopf herum und nerven. Deshalb stört es auch nicht, wenn ab und an eine durch einen Handkantenschlag getötet wird.

Ähnlich verhält es sich mit der Vorrunde der EM. Die lästigen Fliegen sind alle aus dem Turnier geputzt. Wer wird Griechenland vermissen? Unattraktives Gekicke in der Hoffnung, irgendwo Punkte zu stehlen. Weg mit ihnen. Gut so.

Polen hatte ich ein bisschen auf dem Zettel. Bis nach dem ersten Spiel gegen Deutschland. Rennen, was das Zeug hält, und hoffen, dass Jacek Krzynowek aus 40 Metern in den Winkel trifft. Das, liebe Polen, reicht nicht.

Die Rumänen spielten von Beginn an am Limit, hatten gegen Italien die Sensation auf dem Fuß – und versagten. Vielen Dank fürs Mitmachen. Zumindest zur Spannung habt ihr beigetragen.

Auch Schweden werde ich nicht vermissen. Zlatan Ibrahimovic dagegen sehr. Er ist einer dieser wenigen Spieler, für die allein sich schon ein Stadionbesuch lohnt. Spaniens Verteidiger Sergio Ramos wird durchatmen – ein weiteres Aufeinandertreffen mit dem Stürmer hätte er wohl kaum verkraftet.

Die Franzosen sind selbst schuld. Mit der Angsthasentaktik aus dem Eröffnungsspiel gegen Rumänien – nach dem Motto: Nur nicht verlieren – hatten sie bereits verloren und keine weitere Turnierdaseinsberechtigung.

Ein Dank geht an die Schweiz und Österreich für die perfekte Organisation der EM, aber fußballerisch sind sie noch immer im Entwicklungsstadium. Wie die Schweiz den bedeutungslosen Sieg gegen Portugals B-Elf gefeiert hat, sagt alles. Österreich war wild entschlossen, aber das war es dann auch schon.

Ja, und jetzt mein Lieblingsland Tschechien. Lieber Petr Cech, was zum Teufel hast du dir nur dabei gedacht. Du bist einer der Besten, wenn nicht der Beste. Tränen hast du mir in die Augen gespült. Dein Schmerz war meiner. Trotzdem: 2:0 gegen die Türken führen und in 20 Minuten alles verlieren ist auch nicht so leicht. Oder doch?

Nun geht das Turnier also richtig los. Das Buffet ist angerichtet. Alle Fliegen sind erledigt. Die Sicht ist frei.

Gespannt bin ich vor allem auf die Niederlande, die an taktischer Variabilität, individueller Klasse und Offensivgeist keine Mängel erkennen ließ. Aber was passiert, wenn ein wirklich starkes Team die Defensive richtig fordert? Deshalb: Volle Kraft voraus.

Angst machen mir die Italiener. Wahrscheinlich haben sie rechtzeitig erkannt, wo ihre Stärken liegen. Da droht einmal mehr das Finale.

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