Oldenburg - Zehn Windstärken und acht Meter hohe Wellen von vorn. Da sagt selbst der erfahrene Weltumsegler Bernd Mansholt: „Grrr.“ Und er ist hart im Nehmen. Dass der Törn nach Grönland kein Kaffee-Segeln werden würde, wusste der Oldenburger Goldschmied, doch drei Stürme machten der „Nis Randers“ und der Zwei-Mann-Crew auf dem Atlantischen Ozean stärker zu schaffen als erwartet. „Es war wirklich sehr, sehr anstrengend“, sagt er über den zu dieser Jahreszeit unerwartet stürmischen Atlantik.
Am Sonntag, 2. Juni, hatten mittags viele Oldenburger der „Nis Randers“ am Stadthafen nachgeschaut, als sie mit dem ablaufenden Wasser über die Hunte Richtung Weser davonschipperte. Dazu zählten nicht nur Mansholts Familie, sondern auch Gaby Letzing, Leiterin des Kinderhospizes in Syke. Denn die Grönland-Expedition haben Skipper Bernd Mansholt und Janek Plathe als Benefiz-Törn angelegt. Wer sich etwa mit einem Cent pro Meile an der Grönland-Expedition beteiligt, ist am Ende mit etwa 50 Euro dabei.
Von Oldenburg aus ging es Richtung Helgoland, wo weiterer Proviant und Wasser gebunkert wurde. Nach Peterhead in Schottland grüßt noch einmal der Leuchtturm von Land, ehe es dann durch den Pentland Firth Mitte Juni auf den Atlantik hinausgeht.
Bernd Mansholt freut sich über Delfine, die den Bug umspielen, spricht mit den Walen und beobachtet eine Möwe, der eine Angelschnur aus dem Schnabel hängt. Co-Segler Janek Plathe (28) hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass ein zwölf Meter langes Segelboot anders von Wellen gerockt wird als ein Tanker, auf dem der Flensburger Berufsseemann sonst so über die Weltmeere fährt.
Am 18. Juni notiert Bernd Mansholt (48) ins Logbuch „Arktis unter Segeln – Sturmfahrt ins Eis. So könnte der Titel dieser Etappe lauten.“ Sie hatten vergeblich darauf gehofft, dass der Sturm abebbt. Die „Nis Randers“, deren Rumpf eigens für die Expedition verstärkt wurde, schießt manchmal bei Windstärke zehn über den Wellenkamm hinaus und knallt dann ins Wellental. Es fühle sich an, als ob man eine Tonne gerammt habe, schreiben sie. Und doch schwärmt Bernd Mansholt im Logbuch: „Trotz allem: Das Meer hier ist faszinierend und die Wellen wunderschön.“
Als der Sturm endlich abflaut, müssen die Männer erst einmal etwas essen: fünf Pfund Kartoffeln, ein großes Glas Rotkohl, eine Packung Pfeffer-Sahnesoße, vier Eier, zwei Zwiebeln, zwölf Würstchen, Gurken aus dem Glas, Schokolade und Nüsse.
Am 23. Juni hat Bernd Mansholt Sehnsucht nach Landgang. „Die Telefonate mit den Liebsten zu Hause sind die Höhepunkte des Tages.“ Nach 1653 Seemeilen trösten Pilotwale, Delfine und eine Möwe im betörenden Licht einer Nordatlantiknacht.
Am 3. Juli um 3.12 Uhr sichten sie den ersten Eisberg an Backbord. Sie umrunden Kap Farvel, die Südspitze Grönlands. Nach 2469 Seemeilen (4570 km), vielen Eisbergen und Blick aufs Packeis machen sie in Nanortalik, einer Insel im Süden Grönlands, fest und fallen erschöpft in die Kojen. „Es war der härteste Törn meines Lebens“, schreibt Mansholt. Und wenn der Wind günstig steht, geht’s weiter nach Norden.
