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NWZonline.de Sport

Corona: Sorge um Sport bleibt gewaltig

16.11.2020

Berlin Amateur- und Freizeitsportler, Vereine oder Verbände werden vor den Corona-Beratungen der Politik wieder hoffen – vermutlich vergebens. Zwar mahnen der DOSB und die Landessportbünde Lockerungen und eine schnellstmögliche Wiedereröffnung aller bundesweiten Spiel- und Sportstätten an, zwar warnen Athletenvertreter und Fachverbände vor weitreichenden Folgen der pandemiebedingten Beschränkungen vor allem für Kinder und Jugendliche. Und doch wird es bei den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder an diesem Montag wohl nicht um Aufweichungen des Teil-Lockdowns gehen – im Gegenteil.

Worauf muss sich der Sport einstellen?

Erst am 23. November soll entschieden werden, ob der auf November befristete Teil-Lockdown in der Corona-Pandemie vor Weihnachten verschärft werden muss oder teils gelockert werden kann. Mehrere Länder plädierten offenbar bei einer Vorbesprechung mit dem Kanzleramt am Sonntag dafür, vor weitreichenden Entscheidungen eine weitere Woche die Entwicklung bei den zuletzt auf hohem Niveau stagnierenden Corona-Infektionszahlen abzuwarten.

Der Sport steht auf der Prioritätenliste aktuell ohnehin nicht ganz oben. Ein Ende der Geisterspiele in den Bundesligen, auch im Profifußball, wird es vorerst nicht geben. Wie fragil und schwer zu durchschauen aktuell die Situation ist, verdeutlichten in den vergangenen Tagen die Spielabsagen in der Handball-Bundesliga, die Quarantäne-Maßnahmen bei Vereinen wie der TSG Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga und nicht zuletzt die lange währende Unsicherheit über die Austragung des Nations-League-Spiels der Fußball-Nationalelf wegen positiver Corona-Fälle beim Gegner aus der Ukraine. Der Sport wird sich in allerlei Bereichen auf weitere harte und entbehrungsreiche Monate einstellen müssen.

Wer ist davon am stärksten betroffen?

Betroffen sind der Profisport und der Amateur- und Freizeitsport gleichermaßen. Ein Dilemma, auf das Athletensprecher Max Hartung immer wieder hinweist. Zum einen blickt der Säbelfechter mit großer Sorge auf die Sicherheit oder die Einkommenssituation vieler Spitzensportler. „Meiner Einschätzung nach sind wir jetzt am Beginn einer Phase, die wie ein Spagat wirkt, die wieder sehr, sehr heikel wird im Sportbetrieb“, sagte der Gründungspräsident der Vereinigung Athleten Deutschland am Samstag.

Welche Befürchtungen haben die Athleten?

Der 31-jährige Hartung befürchtet den Verlust einer ganzen Sportlergeneration. „Viele junge Sportler könnten es vorziehen, ihr Talent lieber in andere Bereiche zu stecken. Was gerade verloren geht, wird erst Jahre später sichtbar werden“, sagte Hartung der „Süddeutschen Zeitung“. Ähnlich äußerte sich Turner Marcel Nguyen. Auf die Frage, ob er befürchte, dass dem Turnen durch die Schließungen der Hallen Talente verloren gehen könnten, sagte der zweimalige olympische Silbermedaillen-Gewinner von London im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF: „Ich habe definitiv die Befürchtung.“ In der vergangenen Woche baten der Deutsche Fußball-Bund und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Politik um Lockerungen der Corona-Einschränkungen im Amateurbereich – vor allem für Kinder und Jugendliche bei Sport unter freiem Himmel.

Wie sieht die Tendenz aus?

Die allgemeine Tendenz geht eher in Richtung Verschärfungen. So hat Bayerns Staatsregierung zuletzt sämtlichen Freizeitsport in der Halle mit sofortiger Wirkung untersagt – auch den, den es kurz zuvor noch für ungefährlich hielt, wie etwa Tennis oder Reiten. „Wir haben für diese überhastete Maßnahme kein Verständnis – die Volksseele unserer Sportlerinnen und Sportler, Sportvereine und Sportfachverbände brodelt“, erklärte daraufhin Jörg Ammon, der Präsident des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV).

Im Dilemma zwischen Infektionsschutz und Kontaktbeschränkungen auf der einen und der Möglichkeit des Sporttreibens auf der anderen Seite scheint die Richtung der Politik derzeit kompromisslos.

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