Berlin - Beim Neustart der Bundesliga kämpft die Deutsche Fußball Liga (DFL) an zwei Stellen mit Problemen. Zum einen benötigen die Clubs dringend Geisterspiele, damit das gesamte TV-Geld aus dem aktuellen Vertrag fließt und Pleiten verhindert werden können. Zum anderen ist die Liga daran interessiert, dass die TV-Unternehmen nicht in noch größere wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten – schließlich sollen sie im derzeit laufenden Wettbieten um den neuen Medien-Vertrag wieder Milliarden ausgeben.

In dieser Woche wollte DFL-Boss Christian Seifert eigentlich mit einem Kreis von Spezialisten die Offerten jener Unternehmen sichten, die Mitte März die Zulassung für die Auktion erhalten hatten. „Sehr viele Bewerber haben signalisiert, dass sie gerne an dem Prozess festhalten möchten“, hatte er damals gesagt. Doch kurz danach musste er das Projekt wegen der Corona-Krise verschieben, vorerst auf einen noch nicht näher benannten Termin im Juni.

Die Clubs wünschen sich ein schnelles Ergebnis des Milliarden-Pokers für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25, damit sie Planungssicherheit haben. Andererseits benötigen die Medienunternehmen aber mehr Zeit, um die Folgen der Krise seriös abzuschätzen und sich von den finanziellen Auswirkungen zu erholen. Vor allem Sky und DAZN, die als Pay-Anbieter beim Wettbieten um die vier teuren Live-Pakete den Großteil des Geldes bringen sollen, ächzen unter den Folgen der Monate ohne Live-Sport. Beiden Unternehmen fehlt die wichtigste Ware. Beide müssen die daraus entstehenden Probleme mit ihren Kunden klären. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber es ist kein Geheimnis, dass reihenweise Abonnenten kündigen.

Wie groß die gegenseitige Abhängigkeit ist und wie unverzichtbar vor allem Sky derzeit ist, zeigte sich beim Aufatmen der Liga, als in der vergangenen Woche fast alle Medienpartner Vorauszahlungen für den derzeit noch gültigen Vertrag zusagten – und als ein „besonderer Dank“ von Seifert an Sky ging. Also an den größten Zahlmeister der Liga mit durchschnittlich 876 Millionen Euro pro Jahr.

Ob Sky durch die Vorauszahlung Vorteile beim Poker um den neuen Vertrag hat? „Auch die kommende Medien-Ausschreibung der DFL findet in Abstimmung und unter Aufsicht des Bundeskartellamtes statt“, sagte ein DFL-Sprecher: „Das Verfahren ist transparent und diskriminierungsfrei. Individuelle Vor- oder Nebenabsprachen mit einzelnen Bietern sind dabei nicht zugelassen.“

Grundsätzlich erhält bei der Auktion das meistbietende Unternehmen den Zuschlag. Nur in einem Fall dürfte sich Sky einen kleinen Vorteil erhoffen. Die vom Kartellamt abgesegneten Auktionsregeln sehen vor, dass die Liga dann frei entscheiden darf, wenn der Unterschied zwischen dem höchsten und dem zweithöchsten Gebot 20 Prozent oder weniger ist.

Sky und DAZN kostet die Krise viel Geld, und auch die klassischen Sender leiden unter wegbrechenden Werbeeinnahmen. Nur ein potenzieller Interessent hat keine Probleme. Im Gegenteil: Die Umsatzzahlen des Internet-Riesen Amazon, der zuletzt Rechte für die Premier League und die Champions League gekauft hatte, steigen. Und auch der Aktienkurs stieg zuletzt auf ein Rekordhoch.