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Corona-Krise Macht Kreativ: Virtuelle Duelle im Garten: Leichtathleten gehen neue Wege

09.06.2020

Berlin /Oslo /Braunschweig Der Fußball rollt, die Basketballer gehen wieder auf Korbjagd – und die Leichtathleten stehen auch bald wieder in den Startblöcken. Während in Oldenburg der Brunnenlauf noch virtuell stattfand, gab es am Sonntag in Berlin den ersten Startschuss zu einem Straßenrennen – unter anderem Josina Papenfuß aus Westerstede musste sich im überschaubaren Starterfeld aber natürlich an die geltenden Abstandsregeln halten.

Diese Regeln sind die Ursache für die Kritik am jüngst vorgestellten Konzept der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften, die der nationale Verband DLV am 8./9. August in Braunschweig plant. Die Titelkämpfe, die ohne Corona-Pandemie schon am vergangenen Wochenende stattgefunden hätten, sollen ohne Zuschauer und auch ohne Mittel- und Langstreckenwettbewerbe stattfinden.

Kritik an DM-Konzept

Das sorgte für Unmut. „Ich bin sprachlos“, schrieb Hindernis-Europameisterin Gesa Krause bei Instagram: „Eine Entscheidung, die ich nicht nachvollziehen und in keinem Sinne befürworten kann.“ Fußball mit 22 Spielern sei wieder möglich, dann müsse ein Rennen mit zehn Läufern auch möglich sein. „Leichtathletik bedeutet Laufen, Werfen, Springen. Ohne Laufen ist es nicht das Gleiche“, schrieb sie.

Papenfuß findet es zwar schade, dass die längeren Läufe wegfallen, aber auch nachvollziehbar. „Es gilt eben überall der Mindestabstand, auch bei uns.“ Bei den Laufwettbewerben ab 1500 Metern könne eben nicht, wie bei den komplett in Bahnen gelaufenen Sprintstrecken, jede zweite Bahn freigehalten werden. „Ich hoffe trotzdem, dass dieses Jahr noch Rennen stattfinden“, meint die 19-Jährige, die am Sonntag bei einem Einladungsrennen in ihrer neuen Heimat Berlin die fünf Kilometer in 16:30 Minuten zurücklegte. Dass beim Start und beim Überholen ein Mindestabstand eingehalten werden musste, sei zwar anders, aber nicht komisch gewesen.

Zuschauer werden fehlen

Die Oldenburgerin Bonnie Andres sieht das ähnlich. Die 19-Jährige war im Vorjahr im 5000-Meter-Finale der deutschen Meisterschaft gelaufen und hatte die Atmosphäre als unvergesslich beschrieben – hauptsächlich wegen der vielen Zuschauer im Berliner Olympiastadion. Dass die Langstrecken dieses Jahr ausfallen, ärgert sie – nicht nur, weil sie dann selbst nicht mitlaufen kann: „Auch als Zuschauerin schaue ich das natürlich am liebsten.“ Andererseits findet sie es gut, dass es überhaupt Wettkämpfe gibt – zumindest für Springer, Werfer und Sprinter. „Das fehlt mir nämlich gerade“, gibt Andres zu. Zwar ist sie am Wochenende den „Brunnen-Sololauf“ gelaufen – allerdings musste sie die 10 Kilometer alleine zurücklegen. Im virtuellen Ranking landete sie mit 36:25 Minuten auf dem starken vierten Gesamtplatz.

Der DLV verteidigte am Sonntag in einer Stellungnahme sein Konzept und wies auf die „behördlichen Verordnungen über infektionsschützende Maßnahmen“ hin – wie den Sicherheitsabstand. „Unser vornehmliches Ziel ist es, während der Corona-Krise überhaupt Deutsche Meisterschaften auf die Beine zu stellen“, erklärte Generaldirektor Idriss Gonschinska und ergänzte: „Sollte es aufgrund von weiteren Lockerungen und Genehmigungen die Möglichkeit geben, Mittel- und Langstrecke bei der DM durchzuführen, werden wir das tun.“

800 Meter in Bahnen

Eine Mittelstrecke ist immerhin im Programm: die 800 Meter. Auch die zwei Stadionrunden müssen in Braunschweig allerdings komplett in Bahnen gelaufen werden.

Dass es auch ganz anders gehen kann, zeigen die Veranstalter der „Bislett Games“ in Oslo. Das Diamond-League-Meeting muss ausfallen – doch die Veranstalter waren kreativ und bieten Zuschauern per Live-Stream einiges. Die bekannten Ingebrigtsen-Brüder Hendrik (29), Filip (27) und Jakob (19) werden in einem Teamrennen über 2000 Meter gegen ein kenianisches Team um Timothy Cheruiyot antreten, das zeitgleich in Nairobi läuft. Per Split-Screen können Fans das Rennen im Internet verfolgen.

Garten-Wettkämpfe

Schon im April hatten die Veranstalter der von ihnen so getauften „Impossible Games“ (unmögliche Spiele) Events für die Veranstaltung im Osloer Bislett-Stadion an diesem Donnerstag angekündigt: Der Norweger Karsten Warholm will die Weltbestzeit über die selten gelaufenen 300 Meter Hürden zu knacken. In einem Stabhochsprung-Wettbewerb auf Distanz fordert Jungstar Armand Duplantis aus Schweden Olympiasieger Renaud Lavillenie – der in seinem Garten in Frankreich springt.

An einem virtuellen Dreikampf hat Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul am Wochenende teilgenommen. Die Disziplinen: In zehn Minuten so oft wie möglich vier Meter beim Stabhochsprung schaffen, in derselben Zeit die Kugel möglichst oft über zwölf Meter stoßen, und in fünf Minuten möglichst oft 20 Meter rennen. Kaul wurde Zweiter hinter dem französischen Weltrekordler Kevin Mayer.

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Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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